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Schawuot – Pfingsten

Schawuot 1 n.d. Himmelfahrt Christi

Ich erwachte aus einem leichten, unruhigen Schlaf. Ein nicht einzuordnendes Gefühl war noch in mir, etwas zwischen Vorahnung und einem „gehörten Flüstern: “Nicht mehr fern, der erste Strahl der Sonne, bald schon besiegt ist die Nacht. Der Geist des Heiligen schwebt in der Welt; durch einen feinen Schleier absoluter Ruhe, jenseits von Sehen, Hören und Schmecken gibt er eine Ahnung des völlig Anderen, des unfassbar Unbegreiflichen.“
Obwohl wir seit einigen Wochen hier im Obergemacht lebten und schliefen, dort wo auch unser Herr Jesus Christus mit uns das Passah feierte, hatten wir uns noch nicht so recht an die morgendliche Unruhe in den Gassen Jerusalems gewöhnt, aber an diesem Tag war es doch noch einmal anders. An Schlaf, an richtigen Schlaf, war sowieso seit Wochen nicht mehr zu denken. Es war Schawuot, das sogenannte Wochenfest, 50 Tage nach dem großen Sabbat nach Passah. Es ist eines der drei großen Wallfahrtsfeste der Juden, zu denen auch ich gehöre, an dem jeder männliche Jude verpflichtet war zum Tempel nach Jerusalem zu pilgern. Nachdem die Menschenmengen nach Passah gerade die Stadt zum Großteil wieder verlassen hatten strömten sie nun schon seit Tagen wieder in die Stadt.
Mein Name ist übrigens Kelita. Nein, eigentlich heiße ich Harif, aber alle nennen mich Kelita. Harif bedeutet,,Frühgeborener“- dabei bin ich angeblich nur drei Wehen vor meinem jüngeren Zwillingsbruder Thomas geboren, aber so recht weiß das keiner, weil eigentlich weiß auch keiner so genau… ach lassen wir das, es tut nichts zur Sache. Mein Bruder also nannte mich seit wir als Kinder einmal nebeneinander an einem Berghang standen, er auf einem Stein und ich hangabwärts von ihm, „Zwerg“, also: Kelita, obwohl ich eigentlich fast einen ganzen Fingerbreit größer bin als er. Thomas ist sonst eher zurückhaltend, manchmal schüchtern, fast verzagend, während Freunde behaupten ich selbst sei eher kühn.
Thomas jedoch wurde vor etwas mehr als drei Jahren in den „inneren Kreis“ der Jünger des Wanderpredigers Jesus von Nazareth berufen, ich hingegen zog zwar auch immer mit ihnen mit, blieb aber immer im Hintergrund. Jesus ist aber auch eigentlich der von dem ich euch erzählen möchte, nicht von mir oder Thomas. Vielmehr möchte ich euch mit meinen Worten wiedergeben was nach der Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn Jesus passierte. Das kann ich natürlich nur im Ansatz, denn vieles von dem Erlebten kann ein Mensch gar nicht in Worte fassen. Ich wünschte ihr wäret seinerzeit hier bei uns gewesen, es war so unaussprechlich fantastisch! Wenn ich es nicht selber erlebt hätte könnte ich es auch nicht glauben.

Himmelfahrt? Was ich damit meine?
Nein, keine Kamikazeaktion der Zeloten [*Zeloten wollten die römische Herrschaft mit Gewalt beseitigen. Simon, einer der Jünger wurde „Zelot“ genannt] unter uns Jüngern. Jesus hatte es uns alles anhand der Thora, dem Gesetzbuch der Juden, erklärt: Er würde für eine Weile zurück zu seinem Vater im Himmel gehen um uns eine Stätte vorzubereiten, damit wir, die wir an ihn als den verheißenen Messias, den Erlöser, glauben, auch zu ihm kommen könnten. Und als wir 40 Tage nach der Wiederauferstehung Jesu mit ihm auf dem Ölberg waren sprach er davon uns einen anderen Sachwalter zu senden, der ewig mit uns sein würde, den Heiligen Geist Gottes. Er ermahnte uns zudem in alle Welt zu gehen – hat man denn sowas schon gehört, in alle Welt…-, um sein Evangelium der Errettung aus Gnade zu verkünden. Dann wurde er auf wundersame Weise vor unseren Augen von etwas wie Wolken fortgenommen, weggetragen. Damals wussten wir dann aber endlich was zu tun war, denn nach der Kreuzigung und dem Tode Jesu waren wir ein wenig wie Schafe ohne Hirten, alle irrten herum, waren ängstlich und unentschlossen.
Wir gingen nun zurück in die Stadt Jerusalem und blieben dort, wie Jesus es uns aufgetragen hatte und warteten darauf von der Kraft aus der Höhe angetan zu werden, was auch immer das bedeuten konnte. Wann das sein sollte wusste natürlich keiner so genau. Das war vielleicht auch ein Grund dafür warum viele von uns nicht so recht schlafen konnten, keiner wollte diesen Augenblick verschlafen.

Es war also der erste Tag der Woche als ich morgens aus dem unruhigen Schlaf erwachte. Sieben Wochen und sieben Sabbate nach Passah. Eine kühle Brise zog durch das Obergemach, gefolgt von den leckeren Gerüchen aus den Bäckereien in den Gassen. Schon die ganzen letzten Tage schienen die Bäcker der Stadt nur noch eines zu backen, nämlich Käseküchlein! Das sind mit Honig gewürzte, handtellergroße, auf einem Boden aus Feinmehl gebackene Küchlein aus einem Milchprodukt, das wir hier in Israel einfach „Quark“ nennen. Manche tun auch etwas Orangenabrieb oder gar Rosinen hinein, aber das dürfte in euren Augen abwegig sein wie ich mir denken kann. Ihr müsst wissen: Schawuot wird auch ,,Matan Tora“, das Fest zur Gabe der Thora, also der Gesetzestafeln, genannt, weil einige Schriftkenner wissen wollen, dass an diesem Tag Mose die Gesetzestafeln auf dem Berg Sinai aus den Händen Gottes selber erhielt. Unter den Juden heißt es eben auch, dass das Gesetz sei wie Milch und Honig, deswegen die Küchlein. Ich dachte immer Gott hätte gesagt, dass das Land Israel selber sei wie ein Land in dem Milch und Honig fließt…..verwirrend. Ja, und weil wir Juden nicht Juden wären, wenn wir nicht für alles ein zusätzliches Gebot erstellen würden so gibt es auch für Schawuot beziehungsweise Matan Tora dieses, allerdings ungeschriebene und eher lustig gemeinte, Gebot, dass jeder Israeli, sei er jung oder alt, mindestens 5 Käseküchlein essen muss. Fünf ist die Zahl die die Gnade Gottes symbolisiert. Eine weitere Besonderheit konnte man schon einigen Tagen vermehrt in den Gassen Jerusalems sehen: Die Leute schmückten ihre Häuserfronten, besonders die der Synagogen, mit Blumen und Laub. Zum einen ist das ein Zeichen des Dankes an Gott für die Ernte, denn Schawuot ist Schawuot ja ein Erntefest. Zum anderen stehen Blumen und Laub für die Tatsache, dass wir in der Thora den „Baum des Lebens“ sehen.
Jesus, um mal wieder auf das wunderbare Thema zurückzukommen
weswegen ich euch das alles erzähle, sagte ja, dass wir in der Stadt sollten bis wir den Heiligen Geist, den Geist Gottes oder wie andere auch sagen: den ewigen Geist, empfangen hätten. Ich war damals etwas verwundert, denn ich war ja auch dabei als Jesus der auferstandene Herr uns das erste Mal im Obergemach erschien. Damals hauchte er uns an und sprach zu uns: “Empfangt den Heiligen Geist.“ Das war als würde ein lauer Frühlingswind durch den Raum streifen, ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper. Es roch nach Aloe und Myrrhe mit einer leichten Zimtnote, auf der anderen Seite war es frisch und klar und irgendwie…mysteriös übernatürlich. Ich, und auch die 50-60 anderen anwesenden Jünger berichteten es, fühlte mich so wach………, so…aufnahmebereit, als habe mir etwas die Sinne geschärft; alle Müdigkeit, auch alle Angst und aller Zweifel war verflogen. Wegen dieses Erlebnisses fragte ich mich eben auf was für einen Geist wir wohl noch warten sollten, wenn doch Jesus uns schon den Heiligen Geist eingehaucht hatte. Ganz und gar verstehe ich es auch heute noch nicht, aber es wäre auch alles wenig göttlich, wenn ich einfacher Schreiberling Gottes Werke verstehen könnte. Aber nach und nach bekam ich über die Jahre noch einige Mosaiksteine zu dem verschwommenen Bild hinzu.
Als ich nun aus meinem unruhigen Schlaf an dem 1. Schawuot nach Christi Himmelfahrt dort in dem Obergemach erwachte hatte ich das Gefühl, die Vorahnung, dass irgendetwas an diesem Schawuot geschehen könnte. Das Obergemach, das uns Omar Schelumiel, den alle nur „der Redselige“ nannten (denn hier war der Name Programm), freundlicherweise seit dem Passahfest zur Verfügung stellte, war von der Nachtruhe her schon gut mit Menschen, mit etwa 40 Jüngern gefüllt, welche auch nach und nach erwachten und neugierig ihre Köpfe unter ihren Mänteln hervorstreckten. Es schien mir fast als wäre ich nicht der einzige an diesem Morgen mit einer gewissen Vorahnung. Was Omar und seine Freiheit uns das Obergemach zur Verfügung zu stellen angeht kann ich nur sagen was ich so gehört habe: da war einerseits seine nicht allzu heimliche Liebe zu unserem Herrn Jesus und auch irgendein verwandtschaftliches Verhältnis zu Josef Ben Jakob, dem Ziehvater des Herrn, was eine Rolle spielte.
Ich weiß nicht wie ihr euch dieses Obergemach von Omar Schelumiel eigentlich vorstellt beziehungsweise bisher vorgestellt habt. Wahrscheinlich denkt ihr an einen mittelgroßen Raum mit einem Tisch in der Mitte und einigen Liegen drumherum. Dem war aber nicht so; Tische und Liegen wurden eigentlich nur auf Wunsch aufgestellt, also wenn notwendig. Ansonsten fanden in dem Saal, stehend oder auf dem Boden sitzend, bis zu 120 Leute Platz. Und ich kann euch sagen, bei unseren abendlichen Lobpreisungen und Thoralesungen und Gebetsversammlungen zu Ehren des Herrn Jesus, war der Raum oft übervoll. Seitdem wir uns nicht mehr versteckten trauten sich immer mehr Menschen zu uns, auch um die Jünger des Inneren Kreises“ nach Jesus und seiner Lehre zu befragen. So war ich nicht sonderlich erstaunt, dass sich an diesem ersten Tag der Woche schon um die erste Stunde des Morgens (das ist sieben Uhr nach römischer Zeitrechnung) bekannte Gesichter, leidenschaftliche Nachfolger des Herrn Jesus, zur einträchtigen Gemeinschaft zusammenfanden. Es war bekannt geworden, dass wir uns genau an dem ersten Tag der Woche zum Brechen des Brotes und Lobpreis und Anbetung zusammenfanden, an dem Tag an dem Jesus Christus von den Toten auferstand. Vielleicht kennt ihr den Tag besser unter der römischen Bezeichnung „Tag der Sonne“. Ich war so froh viele von unseren Geschwistern im Glauben zu sehen. Alle hatten diese strahlenden Augen, die Herrlichkeit unseres Schöpfers schien aus ihnen herausbrechen zu wollen. Da waren Hymenäus, Juda, Sered, Sia, Tertius, Maria-die Frau des Alphäus-, Salome, Baruch, Schefa-der Kahle, natürlich auch Lukas der Arzt, Mirjam, Maria-die Mutter des Herrn, sein Bruder Jakobus und und und und und und.

Wenn sich der Raum füllte war immer Eintracht und Freude greifbar. Jeder brachte, so wie er konnte, etwas an Speisen mit, für das gemeinsame Essen im Anschluss an den Gottesdienst, Petrus hatte mehrere Laibe frisches Brot besorgt und Johannes hatte es sich mal wieder nicht nehmen lassen den Wein in frischen Schläuchen zu besorgen-beides für das Herrenmahl. Es war ein buntes Treiben, da war der Sklave wie der Arzt, die Magd, der inkognito laufende römische Soldat mit seiner israelischen Frau, alle Rassen und Klassen miteinander, vereint unter einem Dach.
Gerade räusperte sich Petrus, der mit den anderen Jüngern des inneren Kreises an der Kopfseite des Saales Stellung bezogen hatte um nach guter jüdischer Sitte sicherlich zuerst aus dem Buch Ruth vorzulesen und die ersten Köpfe wandten sich zu ihnen, das Gemurmel versandete nach und nach….da erhob sich plötzlich ein Brausen vom Himmel, wie von einem gewaltigen Wind, drang durch die offenen Fenster in das ganze Haus des Omar Schelumiel. Dieser Wind war wirklich durchdringend und das meine ich ganz wortwörtlich. Er drang durch die Anwesenden und zwar nicht wie ein kalter, nasser Herbstwind sondern es erinnerte mich an das Anhauchen unseres Herrn Jesus, nur viel, viel intensiver, noch erfrischender. Jede Pore des Körpers fing an zu kribbeln, alles wurde warm, dann wieder frisch und wieder warm. Das musste die Erfüllung, die Taufe mit dem Heiligen Geist sein, die Jesus angekündigt hatte. Ich sah, und so muss es wohl auch bei mir selber gewesen sein, dass sich etwas wie Zungen, zerteilt wie durch Feuer, auf die versammelte Gemeinschaft niederließ, auf jeden Einzelnen. Dann wurde es turbulent; wenn es so etwas gibt, dann war es,,geordnet turbulent“, denn die ganze Gemeinde redete durcheinander, und zwar hatte ich das Gefühl, dass in jeder Sprache der Welt geredet wurde, und noch anderen. Die Brüder und Schwestern strömten auf die Straße vor Omar Schelumiels Haus und predigten das Evangelium von Jesus Christus, ein jeder in der Sprache, die ihm vom Heiligen Geist eingegeben wurde. Das enorme Brausen war auch von den Nachbarn und Passanten nicht unbemerkt geblieben, Menschenmengen strömten herbei. Die Menschen waren über alle Maßen erstaunt, verwundert, fast schon entsetzt. Ich habe es noch in den Ohren, wie einer fragend rief: „Seit ihr nicht alle aus Galliläa? Warum hören wir euch dann jeder in unserer eigenen Sprache, wo wir doch aus den verschiedensten Ländern und Regionen kommen…..von der Südküste des kaspischen Meeres, aus Medien, Elam, Mesopotamien, Judäa und Kapadozien, Pontus und Asien, Ägypten und Libyen, sogar aus Rom und den fernen Inseln, und wir hören euch alle die Taten Gottes loben und preisen…was wird das bloß werden?“ Da waren natürlich auch Spötter, so wie immer, wenn etwas passiert, das keiner so recht zuordnen kann. Menschen tuschelten abseitsstehend, andere vorne mitlaufend und lachend gröhlen: „Haha, zu viel Wein vom Südhang, haha, haha!“ Ihr könnt es euch sicherlich nur annähernd vorstellen was da auf der Straße los war, ein herrliches Durcheinander von strahlenden, geistdurchtränkten Gesichtern und staunend, ratlosen Gesichtern.
Ich weiß gar • nicht mehr wie lang das alles ging und wie genau nach und nach wieder Ruhe in die Menge der Menschen kam. Ich sah nur irgendwann Petrus, meinen Bruder Thomas und die anderen zehn Jünger des „Inneren Kreises“ zusammen an einem Ort stehen und hörte wie Petrus seine tiefe, sonore Stimme erhob und eine erklärende Predigt, der alle Anwesenden gespannt und wiederum erstaunt verdutzt folgten. Leider habe ich nicht so ein gutes Gedächtnis wie unser lieber Bruder Lukas, der Arzt. Ich weiß aber, dass Lukas einen Bericht über die Arbeit der Apostel an seinen Freund Theophilus geschrieben hat. Der Bericht wurde irgendwann zur ,,Apostelgeschichte“ benannt, und ich meine, dass Lukas dort die ganze Predigt Wort für Wort niedergeschrieben hat. Ich danke unserem Gott, dass er Lukas mit solche einem Erinnerungsvermögen gesegnet hat. Es lohnt sich echt die Predigt zu lesen, falls euch dieses Buch vorliegt. Sie ist sehr informativ und Petrus hat gut erklärt wie sich die Prophetenworte bewahrheitet haben. Sicher war auch hier der Heilige Geist am Werke. Ich meine, Petrus war Fischer, wie hätte dieser Kerl sonst alles so fein erklären sollen? Ich erinnere mich aber noch an Verse, die der Prophet Joel einmal niedergeschrieben hat, die zitierte Petrus nämlich auch. Die sind wie eingemeißelt. Schon gleich zu Beginn der Ereignisse gingen mir die gleichen Verse durch den Kopf: „, Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich von meinem Geist ausgießen auf alle Menschen; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen und eure jungen Männer werden Visionen haben und eure Ältesten werden Träume haben; und auf meine Knechte und meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen und sie werden weissagen.“


Das war ja genau das was passiert ist. Später erfuhr ich nämlich: viele, viele Leute, die vom Heiligen Geist durchdrungen sind haben Träume und Visionen gehabt und viele geweissagt. Besonders schön fand ich schon damals, dass man aus den Versen heraushören kann, dass Gott keinen Unterschied macht zwischen Männern und Frauen, Alten und Jungen, Israelis und den Nationen, Juden und Heiden…aber diese Erkenntnis kam nach und nach und das Umsetzen dieser Erkenntnis mussten wir auch erst lernen.
Ich will mit meinem Bericht über dieses wunderbare Schawuot, meine lieben Freunde, langsam zum Ende kommen. Aber eines muss ich euch noch berichten, denn dieses Schawuot im Jahr des Todes, der Auferstehung und der Himmelfahrt unseres geliebten Erretters, dem Messias Jesus Christus war wirklich etwas ganz Besonderes. Man könnte fast behaupten es sei wie eine Art Tag der Geburt der Gemeinde Christi gewesen.
In die Menge schauend, die dem Bruder Petrus zuhörte konnte ich neben den staunenden, den strahlenden und den zweifelnden Gesichtern auch zutiefst betroffene Menschen sehen. Die Luft war zum Schneiden als Simon Bar Jonas geendet hatte. Aus der Menschenmenge hörte man Gemurmel und Raunen, bis ein gewisser Mann seine Stimme erhob. Man sah ihm an, dass die Predigt sein Herz getroffen hatte. Er fragte was sich wahrscheinlich viele der Anwesenden fragten, nämlich was er und die Leute denn bloß tun sollten. Diejenigen, die jetzt begriffen hatten, dass der Jesus den sie gekreuzigt hatten, der von den Toten auferstanden, zum Himmel aufgefahren und nur zur Rechten Gottes sitzend ist, ihr verheißener Erlöser war. Tränen sah man über sein Gesicht laufen als würde seine Schuld herausbrechen. Petrus‘ Antwort war schlicht und prägte sich den Anwesenden so sehr ein, dass auch ich mir die Zeit nehmen will um die Worte dicker zu schreiben: „Tut Buße, und ein jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesus Christus, zur Vergebung der Sünden, dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
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Ich sah nun viele Leute, die den Kopf schüttelten, sich wegdrehten, ja sogar weggingen, aber noch mehr der Anwesenden fielen auf ihre Knie und schrien zu dem Gott im Himmel um Vergebung. Unter vielen Tränen, aber auch mit viel Freude um die erretteten Seelen wuchs die erste Gemeinde an dem Tag so sehr, dass man danach anfing sich zu den Gottesdiensten in verschiedenen Häusern zu treffen. Man sagt es seien um die 3000 Seelen gewesen, die an diesem Tag gerettet wurden. Aber auch die Anzahl derer, die täglich zum Ruhme Jesu in den Tempel zogen um das Evangelium zu verbreiten wurde von Tag zu Tag größer. Sehr viele Menschen ließen sich noch am gleichen Tag taufen und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass diese Ausschüttung des Heiligen Geistes etwas in den Menschen bewirkte. Sie veränderten sich irgendwie positiv; sie wurden freudiger, liebender, friedvoller, geduldiger, freundlicher, gütiger, treuer, sanftmütiger, konnten sich besser beherrschen…Das alles geschah nicht sofort, nicht von jetzt auf gleich, aber nach und nach sah man diese Veränderungen an den Menschen. Ein Bruder der zweiten Generation, ihr kennt ihn vielleicht auch, Paulus mit Namen, nannte diese Geschehnisse an den Menschen, die die Gabe des Heiligen Geistes empfingen, ganz passend: Die Frucht des Heiligen Geistes. Ach wie herrlich, ich gerate wieder und wieder ins Schwärmen, wenn ich an mir selbst bemerke wie der Geist Gottes mich leitet, wie er in mir wirkt und webt, mich an Jesus und seine Worte erinnert.
So ist es kein Wunder, dass die neue Gemeinde Christi sich oft, eigentlich täglich zum Gebet und Anbetung traf, alles teilte und mit Freude und jubelndem Herzen auch den Bedürftigen abgab. Es war einfach überschwingende, überfließende Liebe am Werk, die Liebe mit der auch Jesus seinen Mitmenschen begegnete; selbstlos und aufrichtig, nicht eifernd, sich selber nicht zu wichtig nehmend, unverbittert, rein, aufopfernd. An Jesus selber in seiner Wesensart heranzukommen sehe ich als nicht möglich an, wir sind ja doch noch in unserem alten, sündigen Leib gefangen, Er aber war sündlos. Ich sehe aber an vielen Geschwistern und auch an mir, wie sie sich strecken und recken um so zu werden wie Jesus, mit großem Eifer und Entschlossenheit.
Ach meine Lieben, ich würde ja noch weitererzählen und schreiben um euch noch mehr zu versuchen mit meiner Euphorie anzustecken, aber ihr wünschtet ja nur eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse und so schau ich auch auf mein fast leeres Tintenfässchen und befehle euch dem Segen unseres dreieinigen Gottes an. Möget ihr, auch wenn es turbulent zugeht, auch wenn die Welt schier Kopf stehen mag, dem guten Geist Gottes, dem Geist der Wahrheit in euch, Raum geben, die ihr doch an den Namen Jesus Christus glaubt. Und wenn in eurer Mitte tatsächlich noch jemand sitzen sollte, der das Wirken des Heiligen Geistes in sich nicht verspürt, den lade ich herzlich ein die Gnade Jesu, die Vergebung der Sünden durch sein Blut anzunehmen und ein Leben mit Jesus durch den Heiligen Geist in sich selber zu führen.

Ich denke ich verspreche nicht zu viel wenn ich sage: Jesus? Lohnt sich!

Amen.

Mehr – more

Aber allen, die ihn aufnahmen, denen gab er das Recht Gottes Kinder zu werden […] (Johannes 1, 12)

Ein Freund der Nahe ist

1.
Manchmal saß ich hier und fühlte mich
irgendwie gut
Aber manchmal fehlte auch etwas und ich
fühlte mein Herz weinen.
Dann wünschte ich, dass ich ein wenig
offener für andere wäre
Dann konnte ich sehen, dass ich auch einen Freund zum Reden brauchte.

Refrain
Ich frage noch immer Ich singe noch immer
Ich träume noch immer
Ich hoffe noch immer
Ich frage noch immer – nach jemandes Ohr Ich singe immer noch – Lieder, die du
hören kannst
Ich träume noch immer nach jemandem
ohne Angst
Ich hoffe noch immer – nach einem Freund, der nahe ist.

2.
Manchmal betete ich zu irgendwem, dass ich doch bitte hätte
Die innere Power aufrecht zustehen und jede Situation bewältigen zu können. Dann bemerkte ich, dass ich jemand
Gutes“ an meiner Seite brauchte,
Dem ich blind vertrauen könnte und der keine Angst vor mir hätte.

3.
Heute weiß ich, was auch immer sein wird, da ist ein Gott, der ist ein Freund: Der sich nicht kümmert wer oder was ich bin, der immer an meiner Seite steht. Der immer meine Lieder hören will, der immer auf meine Bedürfnisse schaut. Der keine Angst hat mir nahe zu sein: Danke Herr Jesus, dass DU da bist!

A friend who’s near

1.
Sometimes I was sitting here, feeling
somehow good
But sometimes also something was
missing, and I felt my heart cry.
Than I wished that I would be a little bit more open minded
Than I could see that I also needed a friend to talk!

Refrain
I’m still asking
I’m still singing I’m still dreaming
I’m still hoping
I’m still asking – asking for someone’s ear I’m still singing – singing songs that you can hear
I’m still dreaming – dreaming for someone without fear
I’m still hoping – hoping for a true friend near!

2.
Sometimes I was praying to some one that
I could have
The eternal power to stand upright and stand every situation!
Than I noticed that I need some one good by my side
Whom I could blindly trust and who would not fear me!

3.
Today I know, whatever will be, there is a
God who is a friend:
Who does not care who or what I am, who
always want to stay by my side.
Who always wants to hear my songs,
who’s always listening to my needs
Who has no fear to be close to me, thank
you Lord Jesus that YOU are here!

Mehr – more …

Dieses Lied entstand 2019, noch einige Monate bevor ich zu Jesus Christus gefunden habe. Es war der Versuch mich damit
auseinanderzusetzen, was die Menschen mit denen ich mein Leben verbracht habe und mit denen ich eventuell einmal einen Teil meines Lebens verbringen würde, von mir denken. Was tun wir nicht alles um Anerkennung zu erlangen? Tattoos, weil sie cool sind, weil man die Augen der Leute um sich herum einfangen kann. Helle blaue Augen mit denen man den Frauen den Kopf verdrehen kann. Zotige oder übertriebene Darstellungen von Situationen aus dem Leben um gesprächig zu wirken, wissend, dass ich im Normalfall gar nicht so redselig bin; nur wenn ich etwas getrunken hatte. Und dann in all diesem der Bruch. Der Mord, der nun gefühlt alleinige Präsenz hat im Leben. Ich hatte das Gefühl, dass bei allem was ich in meinem Leben falsch gemacht habe, bei allem wo ich neben der gesellschaftlichen Norm gelaufen bin, jetzt nur noch der Mord zählte, alles andere verblasste. Und die Fragen die sich mir gestellt haben:
Bin ich eigentlich nicht mehr als das was du auf dem ersten Blick an mir siehst? Bin ich es nicht wert, trotz allem nicht auf den ersten Blick verurteilt zu werden? Bin ich nicht mehr als eine Oberfläche? Und dann die damals wie heute ernst gemeinte Einladung es herauszufinden! Menschen haben mich angeklagt, mit Worten, weil ich nicht so gehandelt habe wie sie es von mir erwartet hätten: Dein Vater ist gerade gestorben, Deine Mutter… wie kannst du denn bitte jetzt SO agieren. Ein in Worte gefasstes Naserümpfen? Was wussten die Menschen über mein Verhältnis zu meinem Vater, zu meiner Mutter die ich beerdigen musste? Was wussten die Menschen über die Gefühle, meine, ihre…? Im Bewusstsein darüber, dass ich mich oft nicht gut meinen Eltern gegenüber verhalten habe stellte ich trotzdem diese Frage. Mit den Beziehungen geht es weiter. Ich schreibe in einem anderen Text, dass ich ein Leere, ein Loch in meinem Herzen spüre, eine tiefe Sehnsucht nach einer innigen Beziehung,
nach Kindern, nach Ehe. Welche der Frauen mit denen ich „länger“ zusammen war kannte aber mein Herz? Warum war ich unfähig mich zu öffnen? Warum war ich unfähig mich gehen zu lassen? Auch heute ist davon nicht alles geklärt, aber immerhin habe ich mittlerweile eine bessere Sicht. Ich habe viele Frauen verletzt, soviel ist klar. In vielen Fällen aber nur aus der Unfähigkeit heraus meine Bedürfnisse in Gefühle und Taten umzusetzen.
Vorwürfe von einer Person, eine Person die nach einem Suizidversuch, weil ich sie verlassen hatte mir vorgeworfen hat, und auch nach dem Mord bei der Polizei aussagte ich würde nur etwas geben von meinem Besitz oder auch etwas von mir preisgeben, wenn ich mir ausrechne dafür etwas zu erhalten. In welcher Form auch immer. Es wird schon etwas Wahres dran sein, sonst hätte es mich sicher nicht so getroffen. Sicher war oft ein Haschen nach Anerkennung in meinen „Gaben“, aber oft auch einfach nur Freude am Geben, wenn ich mal etwas mehr hatte als andere Menschen, was auch nicht so oft der Fall war. Alles in Allem hätte man zu der Ansicht kommen können ich sei ein oberflächlicher Mensch und ich stimme in einigen Bereichen meines Lebens zu, aber dennoch, ein offenes Ohr habe ich immer gehabt. Auch wenn ich meist selber nicht in der Lage war meine Bedürfnisse zu äußern oder von meinen Schattenseiten zu erzählen bin ich ein guter Zuhörer und oft kommt es mehr auf das Zuhören als auf Antworten an. Ich habe dieses Lied 2019 vertont und gerne gesungen, melancholisch, langsam, behäbig um mich vielleicht auch ein wenig darin zu suhlen, in meinem Missverstanden-Sein. Ich legte das Lied aber nachdem ich zum Glauben an Jesus Christus kam lange Zeit beiseite, weil es mir zu wehleidig war, weil es zu sehr um mich ging. Ich dachte mir, dass ich mich doch viel mehr um das Leid anderer kümmern sollte als mich selber zu beweinen. Mich und mein recht verkorkstes Leben. Aber die Fragen bleiben ja: Bin ich nicht mehr? Bin ich nicht wert? Und dann fiel mir eines Tages im Frühjahr 2024 auf, dass es eine Antwort auf all diese Fragen gibt und ich die Antwort doch schon einige Jahre kannte: Zu dem Zeitpunkt als ich Jesus Christus angenommen habe als meinen persönlichen Erlöser, den, der für meine Sünden gestorben

ist, und zwar für ALLE meine Sünden, durfte ich doch wissen, dass ich ein geliebtes Kind des himmlischen Vaters geworden bin. Gott weiß um alle meine Vergehen, Gott kennt mich in- und auswendig. Gott kennt all meine Bedürfnisse, meine inneren Sehnsüchte, mein Herz. Und dieser Gott hat gesagt: „Ich liebe dich so wie du bist mein Kind!“ WOW! Da werden die Fragen die ich an die Welt zu stellen habe ganz klein. Da werden meine Missetaten vor der Welt nicht kleiner, aber vor dem der am Ende alles richten wird, dem der gesagt hat, dass er meine Sünden schneeweiß machen will (Jesaja 1,18) werden sie vergolten. Es ist einfach gut zu wissen, es erfüllt mit Frieden zu erkennen, dass Gott einen Sünder, der bereit ist von seinen Missetaten umzukehren, aufnimmt und ihm seine Schuld nicht mehr zurechnet, was auch immer geschehen sein mag. Natürlich möchte er, dass ich mich verändere, denn so wie ich war kann ich nicht bleiben; aber auch das hat der himmlische Vater in seine Hand genommen, seinen Heiligen Geist gesendet um mich zu lehren und sein Sohn, Jesus Christus tritt für mich ein im Gebet. Welch eine himmlische Perspektive auf ein bisher ziemlich durchwachsenes Leben!

A friend who’s near

Ein Freund der Nahe ist – „A friend who’s near“

Ein Freund der Nahe ist

1.
Manchmal saß ich hier und fühlte mich
irgendwie gut
Aber manchmal fehlte auch etwas und ich
fühlte mein Herz weinen.
Dann wünschte ich, dass ich ein wenig
offener für andere wäre
Dann konnte ich sehen, dass ich auch einen Freund zum Reden brauchte.

Refrain
Ich frage noch immer Ich singe noch immer
Ich träume noch immer
Ich hoffe noch immer
Ich frage noch immer – nach jemandes Ohr Ich singe immer noch – Lieder, die du
hören kannst
Ich träume noch immer nach jemandem
ohne Angst
Ich hoffe noch immer – nach einem Freund, der nahe ist.

2.
Manchmal betete ich zu irgendwem, dass ich doch bitte hätte
Die innere Power aufrecht zustehen und jede Situation bewältigen zu können. Dann bemerkte ich, dass ich jemand
Gutes“ an meiner Seite brauchte,
Dem ich blind vertrauen könnte und der keine Angst vor mir hätte.

3.
Heute weiß ich, was auch immer sein wird, da ist ein Gott, der ist ein Freund:
Der sich nicht kümmert wer oder was ich bin, der immer an meiner Seite steht.
Der immer meine Lieder hören will, der immer auf meine Bedürfnisse schaut.
Der keine Angst hat mir nahe zu sein:
Danke Herr Jesus, dass DU da bist!

A friend who’s near

1.
Sometimes I was sitting here, feeling
somehow good
But sometimes also something was
missing, and I felt my heart cry.
Than I wished that I would be a little bit more open minded
Than I could see that I also needed a friend to talk!

Refrain
I’m still asking
I’m still singing I’m still dreaming
I’m still hoping:
I’m still asking – asking for someone’s ear I’m still singing – singing songs that you can hear
I’m still dreaming – dreaming for someone without fear
I’m still hoping – hoping for a true friend near!

2.
Sometimes I was praying to some one that
I could have
The eternal power to stand upright and stand every situation!
Than I noticed that I need some one good by my side
Whom I could blindly trust and who would not fear me!

3.
Today I know, whatever will be, there is a God who is a friend:
Who does not care who or what I am, who always want to stay by my side.
Who always wants to hear my songs, who’s always listening to my needs
Who has no fear to be close to me,
thank you Lord Jesus that YOU are here!

„Ihr werdet mich suchen und finden. Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, dann werde ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und ich werde eure Gefangenschaft wenden.“ (Jeremia 29, 13f.)

Dieses Lied entstand wohl etwa 2019 in der JVA in Celle und ist eines meiner frühen Lieder deren Text ich fast nicht verändert habe.
Es entstand in dem kleinsten Haftraum den ich kennengelernt habe, eingeengt, neu auf einer neuen Station, aber mit einem wunderbaren Weitblick nachdem ich zwei Jahre fast gar keine Aussicht nach „draußen“ genießen konnte.
Diese neue Sicht nach draußen entfachte mir wieder mein „angeborenes“ Fernweh. Auf der einen Seite zufrieden und glücklich über diesen erweiterten Ausblick, auf der anderen Seite zerrissen von dem Wunsch vor den Mauern spazieren gehen zu können. Und ganz tief drin in mir der Wunsch nach einem Menschen, dem ich mich anvertrauen könnte ohne befürchten zu müssen, dass er mich verurteilen könnte, denn verurteilt war ich schon, zu lebenslanger Haft und von mir selber für viele meiner Fehltritte in meinem Leben.
Gibt es Menschen, denen man sich ganz und gar anvertrauen kann, die einen nicht enttäuschen werden?
Die Bibel spricht davon, dass man sein Vertrauen nicht auf Menschen setzen soll, aber dennoch sind wir doch kommunikative Kreaturen, die sich mit ihrer Umwelt austauschen wollen.
Der Refrain spricht von ein wenig Mut in mir, denn ich wollte ja kommunizieren und ich hatte für mich ein Kommunikationsmittel neu gefunden: Gesang und Ukulelenspiel, wie wunderbar.
Ich spiele das Lied nach den Jahren immer noch gerne, denn ja, ich will noch fragen nach Ohren, die mir zuhören, ich will weiter mein Inneres nach außen kehren, durch meinen Gesang, ich will nicht aufhören zu träumen, dass es einen Menschen gibt, der keine Angst vor mir hat, weil mir bewusst ist, dass ich ein dickes Paket mit mir herumtrage, ein Paket der Vergangenheit; und daraus resultiert die Formulierung der Hoffnung, denn die Hoffnung stirbt ja sprichwörtlich zuletzt (wobei das biblisch nicht haltbar ist): Es besteht weiter die Hoffnung in mir einen Freund zu finden, der mir nahe sein will. Was ich damals noch nicht so genau wusste, ist die Tatsache, dass dieser Freund, der mir nah sein will und IST, Tag für Tag die ganze Zeit schon da war und auf mich wartete.
Ja, im Gefängnis beginnt wohl jeder zu beten, auch wenn er es vielleicht nicht zugeben will. Wenn man sich die Realität nicht mit vernichtenden chemischen Drogen wegbläst kommt man an den Punkt an dem man sich mit sich selber befassen muss, und das ist gut so! Was wir im Gebet in Richtung des Himmels bringen ist sicher sehr individuell. Mein Problem ist oft, dass ich mich nicht gut öffnen kann und mich oft zurückziehe, wenn es mir zu viel wird. Früher habe ich dieses,,Manko“ mit Alkohol weggeschwemmt, aber ich hatte mir am Anfang meiner Gefängnislaufbahn fest vorgenommen nie wieder Alkohol zu trinken, und hier im Gefängnis klappt das auch echt gut, wenn man nicht total abgebrüht ist und sich weiter auf illegalen Wegen bewegen möchte. So war mein Gebet, dass ich Kraft finden wollte die täglichen schwierigen, fordernden Situationen aus eigener Kraft heraus meistern zu können; da kannte ich allerdings unseren wunderbaren Gott noch nicht allzu gut, der ja bekanntlich in unseren Schwächen seine Kraft zeigen möchte (2. Korintherbrief 12, 9). Aber in mir kam wieder das Bewusstsein der Notwendigkeit hoch, dass der Mensch jemanden braucht, dem er sich anvertrauen kann, jemanden, der immer bei ihm sein will, diesen besten Freund, dem man, dem ich absolut blind vertrauen könnte ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass er mir aus meiner Lebensgeschichte den sprichwörtlichen Strick drehen will.
Heute weiß ich…das habe ich in Strophe drei damals in 2019 geschrieben und irgendwann im Laufe meiner Entwicklung in der Beziehung mit und zu Gott in Jesus Christus verändert von einer „Macht“, die immer da ist, zu dem erlebbaren Gott, der morgens schon wartet wenn ich aufwache, damit er mir seine Liebe zeigen kann und mich liebend begleiten kann durch den Tag. Ich habe gelernt, dass Menschen nie, niemals so aufrichtig und verzeihend sein können wie unser himmlischer Vater, nie so nah sein können wie mein Erretter und bester Freund Jesus Christus, mit dem ich auch mal hadere, der aber nicht mit mir hadert, sondern mich immer auf seinem rechten Weg führen will. Er will nicht nur jeden Tag an meiner Seite sein, Er ist jeden Tag an meiner Seite ob ich es merke oder nicht, ob ich meinen Fokus darauflege oder nicht. Er ist täglich begierig meine neuen Lieder zu hören, er ist begierig mit mir neue Lieder zu schreiben, mit mir Ukulele zu spielen…
Ja er hört auch tagtäglich zu was ich vor den himmlischen Thron bringe an ,,Bedürfnissen“ und Ärgernissen, ja Er hört immer zu und handelt nach seiner Weisheit im Geben und Nichtgeben. In der letzten Zeile schreibe ich, dass ER auch keine Angst hat bei mir zu sein; die Sache ist aber eher, dass Er einlädt dazu, dass wir, dass ich keine Angst habe alles was uns und mich bedrückt, bedrängt, bewegt, im positiven und negativen, zu Ihm zu bringen damit Er sich kümmern kann, damit Er uns die Last abnehmen kann und uns ein friedvolles, ruhig Herz geben kann, dass in Ihm ruht.

Danke Herr Jesus Christus, mein Freund in meiner Nähe, danke, dass Du nicht nur ein Hirngespinst bist sondern die Wahrheit
und das Leben, das Licht in meinem Leben, danke, dass Du der Lebendige Gott bist, der sich um seine Menschen kümmert!

„Denn ich weiß genau, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht
des Leidens, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.“
(Jeremia 29, 11)

Gideon

Gideon und seine 300

Der Mond stand in voller Scheibe und Helligkeit im Südosten. Nur ein paar Schleierwolken beeinträchtigten die Stahlkraft von Zeit zu Zeit als die beiden Männer über die Kuppe des letzten Hügelausläufers des Gilboagebirges krochen, versucht immer im Schutze der wenigen Büsche zu kauern. Sie ahnten was sie erwarten würde. Der hagere und kleingewachsene Mann, der scheinbar das Kommando in dem ungleichen Männerpaar hatte, schaute seinen hünenhaften dunkelhäutigen Begleiter vielsagend an und deutete mit seinem nur spärlich mit Bart bewachsenem Kinn zu einer Gruppe von Terebinthen am Fuße des Hügels und raunte seinem Begleiter zu: „Pura, das sieht aussichtslos aus, aber der HERR hat uns befohlen, dass wir hinuntergehen und die Lage auskundschaften.“ Ja, es schien tatsächlich aussichtslos, denn unten, im Tal des Hügels More, lagerte über eine Fläche von gut 10.000 auf 10.000 Ellen das Heer der Midianiter. Wenn es nicht das feindliche Heer gewesen wäre, hätte man dieser lauen Nacht und der Atmosphäre sicherlich etwas abgewinnen können. Überall brannten vor den unzähligen Zelten Fackeln. Es roch nach erst kürzlich gebratenem Fleisch und Fladenbrot, und noch weit hinter der Kuppe des Hügels More konnte man im Mondschein den Berg Tabor im Norden erkennen. Aber Tatsache war, dass hier sicherlich 135.000 mit Schwertern, Speeren und Schild gerüstete, streitsüchtige Krieger der Könige von Midian lagerten. Schon sieben Jahre bedrückten nun die Midianiter das Volk Israel; jetzt aber schien diese Armee unter den Königen Sebach und Zalmunna Israel den völligen Garaus machen zu wollen und den Abiäsrietern aus dem Stamm Manasse zu allererst, denn aus diesem Geschlecht stammte Gideon. Gideon schauderte ein wenig bei dem Gedanken jetzt hinunterzuschleichen, dort zum Heerlager des Feindes. Aber seit ihm der Engel des lebendigen Gottes vor einiger Zeit persönlich erschienen war und sogar mit ihm gesprochen hatte, wuchs das Zutrauen in die Güte und die Liebe Jahwes zu seinem erwählten Volk wieder. Auf verschiedenste Art und Weise durfte er in letzte Zeit erfahren wie sein gnädiger Gott seinen Glauben langsam und behutsam durch große und kleinere Wunder wiederaufgebaut hatte. Heute wusste Gideon, dass der HERR mit ihm war, denn er fühlte sich auf seltsame Art vom Geist Gottes umkleidet und innerlich mit Zuversicht ausgestattet. Zuversicht und Glaube an Gottes Wirken im Kampf gegen dieses riesige Heer schien ihm auch durchaus angebracht, denn was hatte Gideon aufzuweisen, was hatte er entgegenzusetzen gegen diese Überzahl? Der Engel des Herrn hatte ihm, dem Feldarbeiter, zugesichert, dass er das Heer der Midianiter in seine Hand geben würde und er es wie einen Mann schlagen würde. So hatte er in das Horn stoßen lassen und seine Familie gesammelt, er hatte Boten ausgesendet durch den ganzen Stamm Manasse, durch Asser, Sebulon und Naftali. Und sie waren heraufgezogen, dem feindlichen Heer entgegen. Mit 32.000 mehr oder minder gut geübten und gerüsteten Männern, im Vertrauen auf Jahwe, den sie angerufen hatten wegen ihrer Not, die die Midianiter doch über Israel gebracht hatten, waren sie hinaufgezogen zu dem Lagerplatz in der Nähe der Quelle Harod, direkt am Fuße des Berges Gibeon. Doch nun erinnerte sich Gideon mit einem leicht flauen Gefühl im Bauch, dass dort, wo einstmals 32.000 lagerten, jetzt noch exakt 300 Mann auf seine Rückkehr von der Auskundschaftung des Feindes warteten. Gideon durfte sich wieder eingestehen, dass es bei diesem Kriegszug weder um seine eigene Ehre noch um Manneskraft gehen würde. Nein, nichts anderes sollte passieren, als dass der lebendige Gott sich selber durch sein Eingreifen verherrlichen würde — so wie er es schon damals in Refidim getan hatte als Amalek heraufgezogen war um das durch die Wüste ziehende Volk Israel zu vernichten. Der HERR würde auch heute das Banner des Sieges sein! 300 warteten auf seine Rückkehr, gerüstet mit Fackeln, Hörnern und Tonkrügen. „Was für eine heldenhafte Truppe“, ging es Gideon durch den Kopf, „was für eine heldenhafte Truppe!“ Auserlesen von Gott selber waren diese bereit sich auf seinen Plan einzulassen, auserwählt aus den 32.000 dadurch, dass sie ihren Durst an der Quelle Harod auf eine andere Art stillten als ihre Stammes- und Volksbrüder. Sie hatten das erfrischende Wasser aus der hohlen Hand geleckt und nicht wie die anderen, knieend, direkt aus dem Bach schlürfend. Und diese 300 waren sich nicht einmal bewusst gewesen, dass sie auserwählt würden, bis Gott selber Gideon den Befehl gab sie auszusondern. Diese 300 wollten Jahwe wohl genügen um das Heer der 135.000 zu demütigen und zu zerschlagen. Ein Wink von Pura, seinem hünenhaften Knecht, riss Gideon aus seinem gedanklichen Ausflug in die vergangenen Stunden. Pura, der Sohn der verwitweten Nachbarin, hatte sich vor wenigen Monaten angeboten als Knecht bei Gideons Familie zu arbeiten, damit seine Mutter jetzt während diesen schweren Zeiten des Hungers und der Unterdrückung ihre Felder nicht verkaufen müsste. Und auch wenn Gideons Familie selber nur gerade genug hatte zum Überleben, vertrauten sie doch auf Gottes Wort, dass wer seinem Nachbar in der Not hilft dadurch selber keine Not leiden würde. So war sein früherer Kindheitsfreund nun sein Knecht auf Zeit. Nur bis zu dem Zeitpunkt, da er sich wieder würde selber versorgen können. Pura schaute Gideon nun fragend an und Gideon nickte ihm beschwichtigend zu. Die beiden krochen nun, sich so dicht wie möglich auf den Boden drückend, zu der Gruppe von Terebinthen am Fuße des Hügels. Der HERR hatte ihm den Auftrag gegeben zum Lager zu schleichen um zu lauschen was gesprochen würde. Kaum waren die beiden nah genug zu den Zelten herangekrochen, so, dass sie gerade wagen konnten sich etwas gemütlicher hinzuhocken und besseren Überblick über die Situation zu bekommen, fingen auch schon zwei Wachen wie auf das Zeichen einer unsichtbaren Macht hin, an sich leise zu unterhalten. Ganz nüchtern schienen die beiden nicht, denn ihre Stimmen klangen belegt und verzögert, vielleicht war es aber auch Angst die im Reden mitschwang: „Eldaa, Gott sei mein Zeuge, ich habe vorhin geträumt.“, hob der eine an, gerade laut genug dass die Worte durch den Wind getragen bis an die Ohren der Lauschenden drang; „Ich habe geträumt, ein Laib Gerstenbrot, hoch wie der Berg Tabor selber, rollte in unser Heerlager und es kam bis an die Zelte der Könige und schlug es nieder. Alles wurde zerstört, das ganze Lager hat er überrollt und das Oberste nach unten und das Unterste zuoberst geschlagen. Und als der Laib zur Ruhe kam, war alles zerstört und der Laib nicht größer als zwei Handbreit… was das nur zu bedeuten hat?“ Mit stockender Stimme hob nun der eben Angesprochene an: „Hamor, du Esel, das ist wohl nichts anderes als das Schwert Gideons, des Mannes von Israel! Gott hat Midian und das ganze Heerlager in seine Hand gegeben! Vielleicht sollten wir dem Heer den Rücken kehren, nur wohin sollen wir fliehen?“ Als Gideon diese Worte der zwei tatsächlich vor Angst zitternden Wachen hörte, fiel er aus seiner hockenden Position voran auf seine Knie, erhob seine Arme andeutend zum Himmel und sendete ein stilles Dankgebet zu seinem anbetungswürdigen Herrn, dem Herrn der Heerscharen. „Auf, zurück ins Lager“ raunte Gideon so leise wie möglich seinem Freund, Gefährten und Knecht Pura zu. „Wir holen die anderen, und dann beweisen wir diesen Mistkäfern wie recht sie haben. Der HERR hat Midian und seine hochmütigen Vasallen in meine Hände gegeben.“ Euphorisiert schlichen die beiden bis zur Kuppe des Hügels zurück und liefen den Rest des Weges im strammen Schnellschritt in ihr kleines Lager zurück. Die aufbruchsbereiten Waffenbrüder warteten schon unruhig auf ihre Rückkehr. Als Gideon und Pura in das Lager kamen und Gideon seine Truppe betrachtete musste er unwillkürlich wieder innerlich seufzen und er dachte so bei sich: „Ja, was für eine heldenhafte Truppe!“ Denn das waren sie auch, heldenhaft und voller Vertrauen, sogar so voll Vertrauen, dass auch keiner der auserwählten Kämpfer auch nur im Ansatz hinterfragt hatte was Gideon ihnen über Gottes glorreichen Plan verkündet hatte. Sie würden nur mit leichter Schutzrüstung aus derbem Leder und bewaffnet mit Fackeln, Tonkrügen und Hörnern losziehen. Die Waffen wie Dolche oder Piken und Schwerter würden sie im Lager zurücklassen und nach ihrer siegreichen Rückkehr wieder aufsammeln. Es war alles vorher schon besprochen worden. Auf ein stilles Handzeichen Gideons, das signalisierte, dass alles so ablaufen würde wie geplant, sammelte sich eine Hundertschaft der Männer die Pura ausgewählt hatte um Gideon. Zwei weitere Abteilungen ä jeweils auch 100 Mann sammelten sich um deren bestimmten Anführer. Jeder der Anführer führte ein verdecktes Glutlicht bei sich um die Fackeln seiner jeweiligen Hundertschaft entfachen zu können, wenn sie an ihrem jeweiligen Ausgangs- und Eingriffsort angekommen wären. Eine gespannte Stimmung legte sich über das Lager. Nur ei Käuzchen wusste etwas, das jetzt noch erzählt werden musste! Im Mondlicht der mittleren Nachtwache sah man die Gesichter der Männer, teils angespannt, teils freudig, aber allesamt mit dem entschlossenen Ausdruck der Bereitschaft. Ein weiteres Handzeichen Gideons setzte die Hundertschaften in Bewegung; zumindest zwei von ihnen. Gideon mit seinen Mannen würde ab jetzt die kleine Sanduhr noch insgesamt fünf Mal durchlaufen lassen, bevor auch sie sich in Bewegung setzen würden, denn sie hatten den kürzesten Weg zu ihrem Eingriffspunkt. Es war der gleiche Ort wie zuvor der Lauschposten. Arach und Zibja aber würden ihre Abteilungen an Jesreel vorbei, westlich um das feindliche Heerlager herumführen. Einen Bogen würden sie beschreiten, der sicher die Zeit einer halben Wachzeit in Anspruch nehmen würde. Arach war schnelles, auf ein Ziel hin konzentriertes Gehen im Gelände gewöhnt, denn er war „Bote zwischen den Orten“, was bedeutete, dass er täglich Nachrichten zwischen den Ortschaften verkündete. Das führte dazu, dass er wahrlich geübt im Wandern, auch nachts, war. Was Arach an Kondition hatte, hatte Zibja an Agilität und Flinkheit zu bieten. Er war klein und drahtig, behände, flink eben. Ein echter Hirte, der seine Herde immer im Blick hatte und sie zusammenhielt. Die beiden Hundertschaften würden sich jetzt zu je hundert nordwestlich des Lagers, nahe der heimischen Ortschaft Ofra, und nordöstlich am Fuße des Hügels More einfinden und auf das Signalhorn von Gideon warten, welches in dieser klaren Nacht sicher ein lautes Echo an der Hügelwand finden würde. Und dann, ja, dann würden sie „angreifen“. Mit Gideons Hundertschaft im Süden würde der Feind, oder das, was Gott davon übriglassen würde, nur eine Fluchtrichtung haben, nämlich Richtung des Flusses Jordan hinüber. Fast konnte man das Rieseln der Sanduhr in Gideons Hand vernehmen, so still war es nun geworden. Eine gefährliche Situation, denn die Männer waren schon lange auf ihren Beinen und Müdigkeit umgab so manchen wie ein frühmorgendlicher Nebel. Doch dann, endlich, war auch das letzte Sandkorn durch die letzte Umdrehung der Sanduhr geronnen, die ihnen so viel Wartezeit bereitet hatte. Worte aus einer Überlieferung kamen Gideon in den Sinn, welche schon sein Großvater und sein Vater weitergegeben hatten. Und zu seinen Mitstreitern sprach er nun diese Worte Gottes, die Jahweh selber Joschua damals auf der östlich gelegenen Seite des Jordans gesagt hatte. Er sprach gerade laut genug um hoffen zu können, dass auch der letzte Mann der Truppe die Ermutigung hören konnte: „Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn mit dir ist Jahwe, dein Gott, wo immer du gehst.“ (*y1) Wie eine Bekundung der Ermutigung-ging ein-zustimmendes Raunen durch die Kehlen der Männer und auf eine weitere Handbewegung hin wurde es wieder mucksmäuschenstill und die Männer setzten sich in Bewegung. Langsam und leise bewegten sich die Krieger Gottes in Richtung der Anhöhe über deren Kuppe Gideon und Pura zuvor schon gekrochen waren. Da kam Gideon ein Gedankenblitz, wie von Gottes Geist eingegeben. Wenn er mit seinen Hundert über die Kuppe treten würde, würden sie wohl nicht mehr lange unentdeckt bleiben, denn auch so eine kleine Anzahl von Männern wäre nicht mit einer Baumgruppe zu verwechseln, selbst wenn der Mond nicht scheinen würde. Er gab ein Handzeichen, hockte sich hin, was ihm alle anderen ohne weitere Aufforderung gleichtaten. Er holte das verdeckte Glutlicht hervor und entzündete seine Fackel. Die Männer taten es ihm gleich und entzündeten wiederum jeder seine Fackel an einer anderen an. Gideon wusste, dass sie jetzt nicht mehr viel Zeit hatten. Im Vertrauen auf den Herrn der Heerscharen, und dass sein Geist auch die Herzen und Augen der anderen beiden Anführer anrühren würde, stand er auf und schritt behände und ohne weiteres Zögern auf die Hügelkuppe. Seine Männer hatten wohl verstanden, denn sie blieben hocken und schienen auf ein weiteres Zeichen zu warten. Gideon stand nun alleine und bloß auf der Kuppe der kleinen Anhöhe, vom Mond und der emporgestreckten Fackel beleuchtet. Es schien eine halbe Ewigkeit zu dauern, dass er so dastand, bis er nach einigen lang erscheinenden Minuten fast zeitgleich sowohl nordwestlich als auch nordöstlich des feindlichen Lagers das sah, was er erhofft hatte: Erst wenige, dann immer mehr leuchtende Punkte! Die Schlacht konnte also beginnen. Pura war bis zu Gideons Fersen vorgekrochen um zu sehen was sein Anführer nun wieder Verwegenes vorhatte. Gideon nickte ihm nur zu und Pura winkte den anderen Kriegern zu. Wie ein Mann standen sie auf und stellten sich in einer langen Reihe links und rechts neben Gideon auf. Gideon führte nun sein Horn zu seinem Mund und an seine Lippen, holte tief Luft und stieß ohne weiteres Überlegen hinein. Ein lauter, dumpfer Ruf erklang aus dem Trichter des Widderhorns. Drei Mal lang, sieben Mal kurz, drei Mal lang: Tiiieh tiiieh tiiieh — ti ti ti ti ti ti ti — tiiieh tiiieh tiiieh. Wie ein Donnergrollen schwoll der Klang über den Talkessel und wie ein doppelt so lautes Echo kehrte es von Nordost und Nordwest zurück. Jetzt stimmten auch die Männer Gideons mit in den Ruf der Hörner ein und als der Talkessel schon bebte, nach genau drei Zyklen des Hornschalls fingen alle 300 Kämpfer Gideons wie in eine lang eingeübten Choreographie einzufallen: entweder zerschmetterten sie ihre Tonkrüge zu ihren Füßen, bliesen weiter in das Horn oder begannen aus voller Kehle zu schreien: „Für Jahwe, und für Gideon, Schwert für Jahwe und Gideon!“. Dabei hielt ein jeder weiter seine Fackel in der linken Hand zum nächtlichen Sternenhimmel gereckt. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllte das ganze Tal, so, dass man das Geschrei, welches sich nun im Lager der Midianiter erhob, fast gar nicht hörte. Die unkoordinierten Befehle der verschlafenen und teils betrunkenen Truppenführer, das Gebell der mitgeführten Jagdhunde, das Geschrei der völlig in Panik geratenen Packesel, das alles wurde völlig übertönt von dem Getöse der drei Hundertschaften um Gideon. Gideon, selber von einem erhebenden Schaudern von den Füßen bis zum Scheitel erfüllt und geschüttelt, hatte das Gefühl als würden die himmlischen Heere mit in das Horn blasen und anfeuernd mit in den Ruf einfallen: „Für Jahwe und für Gideon!“ Ein geschickter Heerführer, der es versteht eine irdische Armee zu befehligen, hätte sich den entstehenden Tumult im feindlichen Heerlager wahrscheinlich nur noch wenige Augenblicke mit Angeschaut und hätte dann zum endgültigen Angriff geblasen um den Überraschungseffekt gänzlich nutzen zu können. Aber sowohl Gideon, als auch Arach und Zibja mit ihren jeweils hundert Mannen bewegten sich nicht von der Stelle, sondern schrien, bliesen und zerschmetterten weiter aus Leibeskräften, so wie es der HERR befohlen hatte. Ein kräftiger Wind kam nun von Westen auf. Es war ein kühler, schauererregender Wind. Es schien fast als würde der Wind von Westen her durch die Zelte tanzen, denn auf einmal brach dort im Zelt ein Feuer aus, dann dort, und dann wiederum dort, an einer anderen Stelle. Binnen weniger Momente standen etliche Groß- und Kleinzelte in Flammen. Es schien als habe der Wind den Auftrag Öllichter in Zelten umzustürmen. Gideon hielt kurz inne im Schreien und versuchte sein Gehör auf das Lager zu konzentrieren. Im Augenwinkel konnte er beobachten, dass auch seinen Männern dieses außergewöhnlichen Wehen nicht entgangen war-, und mit einer Handbewegung versuchte-er-ihnen-zu— -signalisieren, sie mögen weiterrufen, aber ihre Stimmen etwas senken. Konzentriert starrte Gideon zu den Zelten und schloss dann doch kurz seine Augen um dem Gehör mehr Raum zu schaffen. Tatsächlich, ja, er hatte sich nicht geirrt. Jetzt hörte er es klarer. Schwerter klirrten gegen andere Klingen, Metall gegen Metall, dumpfe Rufe, lautere Schreie, ja, schmerzerfüllte Schreie. Die Soldaten im Lager schienen schlichtweg gegeneinander zu kämpfen! Und in dem Moment war Gideon sich sehr sicher, dass Jahwe mit dem kühlen Wind aus Richtung des großen Meeres einen Geist, einen Engel der Verwirrung und des Chaos mit in das Lager geschickt hatte. Er malte sich vor seinen verschlossenen Augen aus, wie dieser Engel die Soldaten an ihren Haaren, ihren Bärten und den Kleidungsstücken zerrte, wie er den fast bemitleidenswerten Kerlen durch das Mark der Knochen fuhr, wie er ihnen Gehässigkeiten in die Ohren flüsterte und sie wild herumkreiseln ließ indem er auch an den Beinen und Armen der Soldaten zerrte. Gideon malte sich weiter aus, wie die Soldaten sich gegenseitig beschuldigten sich angerempelt, beleidigt und an den Haaren gezogen zu haben. Er stellte sich weiter vor, wie ein Wort auf das andere kam bis die verwirrten und verängstigten Männer nichts mehr wussten als auf ihre Kameraden einzuschlagen: Mit den Fäusten, dann auch mit den Waffen. Ein heilloses Durcheinander musste in den Augen Gideons herrschen, und so war es auch. Die Männer im feindlichen Heerlager griffen einander an und schlugen aufeinander ein als seien die Kameraden der übelste Feind auf dieser Welt. Als Gideon nach und nach auch zunehmend den Geruch von frischem Blut wahrnahm, öffnete er seine Augen wieder und pries den allmächtigen Gott, den Herren der Heerscharen innerlich und stimmte wieder lauthals mit in das Rufen seiner Männer ein — nicht, weil er dachte. dass er jetzt noch einen Unterschied machen würde, sondern mehr aus demütiger Freude über die Größe und Herrlichkeit seines Gottes. Nun bemerkte Gideon seinen treuen Diener Pura neben sich, der mit Handzeichen signalisierte, er solle zum östlichen Lager schauen. Während das westliche Lager mittlerweile fast gänzlich lichterloh brannte und dunkle Rauchwolken in den Nachthimmel wehten, erkannte Gideon was Pura ihm zeigen wollte.
Einzelne Soldaten hatten ihre Waffen gestreckt und flohen schnellen Schrittes, teilweise aber auch verletzt humpelnd aus dem Lager der immer größer werdenden Verwüstung in Richtung nahendem Sonnenaufgang, in Richtung des Flusses Jordan. Sollten sie doch laufen diese Feiglinge. Weiter nordöstlich sah Gideon aber etwas, was ihn ein wenig mehr beunruhigte, denn er sah, dass sich die königlichen Kriegsbanner der Midianiter auch nach Osten bewegten. Wollten diese feigen Herrscher nun mit den ersten Flöhen schon den selbstgewählten Schauplatz verlassen? Er konnte erkennen, dass sich hinter den Bannern einige Fußsoldaten zusammengezogen hatten um den königlichen Abzug abzusichern. Gideon nickte Pura erkennend zu und nahm nun selber sein Horn wieder zur Hand, holte Luft und blies hinein: Drei Mal lang, den letzten Stoß so lang hinausziehend bis ihm die Puste ausging. Er setzte ab, holte erneut tief Luft und stieß ein weiteres Stakkato aus. Dies war das ausgemachte Zeichen um in das Lager vorzurücken. Gleichzeitig war es das Zeichen für vorher ausgewählte, schnelle Fußläufer, je zwei aus jeder Hundertschaft, die nun als Boten ausziehen würden, hin zu den umliegenden Stämmen Israels. Zwar hatten die 300 des Gideon die Zerstörung des Lagers bewirkt, doch in seiner eigenen Weisheit hatte Gideon vorausgesehen, dass es zu einer Fluchtsituation kommen könnte und er war sich sicher, dass es besser wäre die Verfolgung der fliehenden mit dann doch einem größeren Heer aufzunehmen. So liefen nun Boten zu den Stämmen Naftali, nach Asser, und Manasse. Einen besonders schnellen Boten hatte Gideon ausgewählt, der den Auftrag hatte hinauf in das Gebirge Ephraim zu laufen um auszurichten: „Kommt herab, Midian entgegen!“ Gideon merkte wie die Nacht langsam wich, Tau legte sich auf den blutigen Untergrund im Lager, ein leichter Nebel bildete sich, die ersten Sonnenstrahlen färbten den östlichen Horizont so blutrot wie den Untergrund.

Einiges hatte Gideon aber nicht bedacht…

Komma ran hier!

Komma ran hier!!!

Shalom meine lieben Freunde.
Ich bin es mal wieder, Harif, Ihr wisst schon, Kelita mit Spitznamen.

Ich habe Euch damals einen Brief mit den Begebenheiten von Schawuot nach der Himmelfahrt unseres Herrn Jesus, dem Messias geschrieben. Das ist nun aber schon viele Neumonde her.

Ich schreibe Euch heute – in der frohen Hoffnung der Brief möge Euch zum rechten Zeitpunkt erreichen – aus einem Städtchen namens Mumba- Aai.
Das liegt im entfernten Gebiet der Könige des Ostens. Man nennt das Land hier in der hebräischen Sprache „Hodu“. Ich wusste nicht, dass es so weit entfernt von zuhause, so liebliche Flecken und Orte gibt auf Gottes Schöpfung. So bunt, so laut, so fröhlich.
Wobei die Fröhlichkeit oft recht aufgesetzt erscheint, dieses aber mit vollem Enthusiasmus.

Was ich hier mache? Gute Frage, aber leicht beantwortet: Kurz nach den Begebenheiten von damals, als unser Herr Jesus in den Himmel fuhr, nur wenige Mondläufe später, hatte mein lieber Zwillingsbruder Thomas einen Traum.
Um genauer zu sein: Eine Begegnung mit dem Auferstandenen im Traum. Ich habe den Traum ja nicht selber erlebt, aber so wie Thomas mir und der versammelten Gemeinde ihn wiedergegeben hat, muss es wirklich sehr eindrücklich gewesen sein:

Aus einem gleißenden Licht kamen zwei Hände hervor, mit den Kreuzesmalen unseres Herrn, genauso wie Er Thomas seinerzeit seine Hände zeigte als Er in unsere Mitte trat. Danach wurden auch sein Körper und sein Gesicht sichtbar, beides erleuchtet von Freude und Liebe.

Neben Jesus kam langsam eine zweite Person zum Vorschein, die wohl sehr fremdartig aussah. Gekleidet war der Mann mit Gewändern aus orangenem und rosafarbenem Stoff, auf dem Kopf einen Turban von verschiedensten Farben. Er war sicher einen Kopf kleiner als Jesus, hatte eine Hautfarbe wie Kirschholz oder Zedernholz und mitten auf seiner Stirn, zwischen den Augen, prangte ein roter Fleck.
Dieser Fleck allerdings veränderte sich in dem kurzen Augenblick den Thomas ihn im Traum betrachten konnte in etwas wie ein Symbol, wie das Kreuz an dem Jesus litt. Dieser Mann schaute unverwandt hin zu Jesus und sang in einer Sprache, die Thomas nicht kennt, ein Lied; aber Jesus gab es Thomas in sein Herz zu verstehen. So konnte er einige Zeilen von dem Lied, das der fremdartige Mann scheinbar zum Lobpreis Jesu vorbrachte, mitfühlen:

„Da sind Ungläubige – Ich entschied mich für den wahren Glauben.
Ich war hungrig-jetzt wurde ich gesättigt. Manchmal sind wir traurig – aber in Ihm ist Freude Jesus ist nicht weit – Er ist genau neben dir und mir.
Ich habe Jesus, ja, ich habe Jesus, Ich habe Jesus Christus im Herzen. Ich habe Jesus, ja, ich habe Jesus, in meinem Herzen, und Er hat meins!“

Thomas erinnerte sich, wie ihm im Traum die Tränen liefen und er wollte unserem Herm vor Freude zurufen, doch sein Mund war wie verschlossen. Stattdessen erhob Jesus selber seine Stimme und schaute Thomas mit durchdringender Liebe an, die klaren Augen nicht abwendend. Er erhob seine Stimme, die genau so klang wie Thomas sie kannte. Voller Mitgefühl, von zart in den Ohren schmelzender Intonation, aber doch erhabener, königlicher, mit der Autorität eines Herrschers. Er sprach: „Thomas, mein geliebtes Kind, ich bin immer nah, niemals fern…“ Während Jesus sprach tat sich hinter dem fremden Mann eine Dunkelheit, die versuchte durch das Licht von Jesu Herrlichkeit an den Mann heranzukommen, schaffte es aber nicht. Der Mann hielt auch seine Augen beständig auf Jesus gerichtet.,,Dieses hier ist mein treuer Knecht Mehuman, denn er ist sehr vertrauenswürdig. Ich liebe ihn, so wie ich dich liebe, und er liebt mich. Nimm nun deinen Bruder, den jüngeren, deine Freunde die bei dir sind, und deinen Glauben, ziehe hin in das fremde Land, das ich dir zeigen werde. Dorthin wohin ich auch einst das Geschlecht dieses Mannes gesendet habe, denn sie gehören mir. Und ich habe dich, Thomas, erwählt, Mehuman und seine Brüder zu stärken, denn ich bin ihm erschienen und er hat mich liebgewonnen. So ziehe nun hin und bummele nicht, ich habe zu dir gesprochen!“
Niemand der dieses hörte wie Jesus selbst im Traum zu Thomas geredet hatte zweifelte daran, dass Thomas berufen war nach Hodu zu reisen um unseren neuen Bruder in Jesus dort zu suchen. Da wir aber damals noch nicht so richtig ahnen konnten wie lang und weit und beschwerlich der Weg wirklich sein würde, und vor allem wie groß Hodu ist, waren wir frohen Mutes und die Gemeinde und Petrus legten Thomas und mir und unseren Freunden und Brüdern Ataja und Hemdan die Hände auf, und sie sendeten uns aus in die fremden Länder, in der Gewissheit, dass der Heilige Geist uns auf unserem Weg leiten würde.
Ich könnte Euch vielerlei Begebenheiten berichten, die wir auf unserer langen und beschwerlichen Reise durch Parthien und Persien, oft an Wasserläufen und reißenden Strömen, oft an kargen Vorgebirgshügeln wandernd, oft hungernd und frierend, dann wieder dürstend und in der Hitze vergehend, erlebt haben. Aber das ist gar nicht der Grund warum ich euch heute schreibe. Aber vielleicht ergibt sich diese Gelegenheit auch noch einmal mehr davon zu berichten.
Ich will ich heute vielmehr von Gedanken erzählen, die mir der Heilige Geist Gottes eingab als wir wie heute, in unseren Zelten unter den laubreichen Bäumen am Meer saßen. Wir hatten dieses Lager erwählt, weil es uns sinnvoll erschien der mittäglichen Hitze entfliehen und in der kühlenden Meeresbrise Zuflucht suchen zu können, wenn denn der Wind von Westen und nicht von Ost stand.
Vom Euphrat Delta sind wir mit einem Handelsschiff gereist, dessen Kapitän uns versicherte nicht viele Häfen anzusteuern bevor er den Hafen von Mumba-Aai erreichen wollte und bat uns sogar freie Fahrt an für den Fall, dass wir ihm und seiner kärglichen Besatzung in den Häfen beim Be- und Entladen der Fracht helfen würden. Darauf ließen wir uns natürlich sehr gerne ein, denn zwar mangelte uns auch auf dieser Reise an nichts, aber die Überfahrt hätten wir uns wahrscheinlich nur schwer leisten können. Als wir nun nach fünf zähen Monaten im gewünschten Hafen ankamen (denn motiviert von neuen Arbeitskräften ließ es der Schiffsführer nicht aus doch mehr Häfen als geplant anzulaufen um mehr Geschäfte machen zu können) war uns als würden wir eine ganz neue Welt betreten. Alles war bunt, alles roch noch anders als zuvor in Persien. Die Menschen sahen für uns noch gewöhnungsbedürftiger aus. Die Tiere, die die Hodus auch als Transportmittel nutzen sahen für uns noch gewaltiger aus als Kamele und heißen wohl Elefanten. Die Tempel, in denen die Einwohner dieses Landes ihre sogenannten Götter verehren, sehen noch reicher verziert aus als in anderen Städten und Ländern auf unserer Reise. Sie finden sich tatsächlich einem Übermaß an jeder Straßenecke; auch gibt es ganze Tempelbereiche, wo verschiedenste Gottesbilder, denn sie haben scheinbar tausende von diesen Götzen, verehrt und angebetet werden. Überall werfen sich die Menschen nieder, mal dort vor dem Tempel, dann wieder vor jenem Schrein. Auch vor einer auf dem Weg liegenden Kuh und einer früchteklauenden fetten Ratte sah ich die Leute sich zu Boden werfen. Es war zum einen kurios, zum anderen aber auch beängstigend. Wir beten täglich inständig zu Jesus, dass Er auch diesen Menschen sein Licht und die seine Wahrheit offenbaren möge, und dass Er uns dafür benutzen wolle, wo es möglich ist.
Von dem Markt wollte ich Euch erzählen, entschuldigt, dass ich bei all diesen Eindrücken die ich in mir trage,~~ dazu neige etwas abzuschweifen.
Wenn ich recht bedenke unterscheidet sich der Markt hier gar nicht so sehr von den Märkten, die wir und Ihr so kennen. Es gibt alles was man sich vorstellen kann: Güter wie Töpfe, Tuch, Gemüse, Brot, Milch, eine Art gegorenen Saft (ich will es lieber nicht Wein nennen), auch Fleisch und vielerlei verschiedene Fische, Gewürze fast an jedem einzelnen Stand und natürlich auch kleine handgeschnitzte Götzenbilder. Das ganze Sortiment ist unsäglich bunt, die Süßigkeiten unsäglich süß, die Gewürze verbreiten einen unsäglichen Duft und die Verkäufer sind unsäglich laut, wenn sie gegeneinander wetteifern um Käufer an ihre Marktstände zu ziehen. Alles erinnert mich ein wenig an das Treiben auf dem Xystos Markt in Jerusalem am Tag vor dem Schabbat. Ich weiß nicht genau was es wohl war, vielleicht die so gänzlich fremdartig andere Sprache, mit der man uns versuchte alle möglichen Waren aufzuschwatzen. Wir waren den Angebotssalven der Verkäufer einfach hilflos ausgeliefert und mussten uns mit Händen und Füßen verständlich machen um nicht an jeden Stand herangezerrt zu werden. Und wenn es uns mal gelang mit den Händen zu verwehren zeigten uns dann die Händler mit ihren Füßen was sie davon hielten, dass wir nicht bei ihnen kaufen wollten. Ich sah auf jeden Fall in vielen Augen der Händler, wenn sie auch noch so laut schrien und feilboten, eine tiefgründige Traurigkeit und Hilflosigkeit. Ein tiefes Gefühl der Betroffenheit machte sich in mir breit. Da wurde ich von dem Heiligen Geist unseres allgegenwärtigen Gottes an eine Schriftstelle aus der Schriftrolle des Propheten Jesaja erinnert, und DAS ist nun auch der Grund warum ich Euch heute diese Zeilen schreibe, denn mir kamen auch zugleich Worte unseres Herrn Jesus wieder in den Sinn, die er mal zu uns sagte. Da ist ein großer Drang in mir Euch kurz zu berichten wie meine Gedanken in meinem Herz arbeiten: Recht weit hinten in der Schriftrolle des Propheten Jesaja (1) erhebt JHWH seine Stimme um seinem Volk zuzurufen; und ich sehe förmlich Jesu Gesicht auf dem Körper eines dieser Händler vom Markt, der mit seiner sanften Stimme laut und klar ruft: „Auf ihr Durstigen, alle, kommt zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt, kauft und esst! Ja, kommt, kauft ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!“ An dieser Stelle war mir als würde der eigentliche Händler gierig auf mein Geldbeutelchen, den ich um den Hals gebunden an der Brust trage, schielen. Aber dann höre ich doch wieder Jesu Stimme, die da ruft wie mit der Stimme eines Engels: „Warum wiegt ihr Geld ab für das, was kein Brot ist, und euren Verdienst für das, was nicht sättigt? Hört doch auf mich, und esst das Gute und eure Seele labe sich am Fetten!“ Gedanklich gehen mir weitere Schriftrollen auf, und ich hoffe von Herzen, dass sich einer der Brüder die Arbeit mach tatsächlich Schriftrollen von dem Leben und den Worten unseres Herrn Jesus zu erstellen, damit seine tiefgründigen und Erlösung bringende Worte nicht verloren gehen. Eine Schriftrolle geht auf und ich sehe Jesus mit dieser von Schuld und Scham geplagten Samariterin, dort am Jakobsbrunnen stehen als er sagte: „Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinken wird, dass ich ihm gebe, den wird nicht dürsten in Ewigkeit, sondem das Wasser, dass ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle lebendigen Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.“ (2)
Spricht das nicht auch in das Leben dieser Händler hinein, die zwar ihre Ware feilbieten, aber nichts davon einen Wert für die Ewigkeit hat? Wasser verdunstet doch sogar ungenutzt, wenn wir es nicht trinken oder zum Waschen nutzen. Und wenn das Wasser von Jesus, so wie Er erklärt hat, für seinen Heiligen Geist steht, der uns jederzeit und unabhängig von Situation und Umgebung erfrischen und erquicken will, dann brauchen doch auch alle hier in Hodu davon, oder? Mir kommt gerade dieser eine Fischhändler in den Sinn, der mit einem Korb in der Hand und laut schreiend immer mehr verschiedenste Fische in diesen Korb warf und dabei die Vorbeigehenden fragend, ja, bittend anschaute als würde er ein total gutes Angebot machen. Ich gehe davon aus, dass er das auch tat. Doch leider weiß er noch nichts von dem allerbesten Angebot, welches der lebendige Gott selber macht, indem Er durch den Propheten Jesaja drei Mal dringlich rufen lässt: „komm!“ Komm, auch ohne Geld, dein Ansehen ist nicht wichtig, es ist wichtig, dass du zu mir, deinem Gott zurückkehrst. Und bietet Gott da nicht selbst das zur Labe der Seele an, welches im Opferritus des alten Bundes unter dem Gesetz Mose nur Ihm selber zustand, nämlich dem Fetten des Opfertieres (3)? Welch Großzügigkeit! Ihm ist nichts zu wertvoll, als dass Er es uns nicht geben wollte, wenn wir zu Ihm kommen. Das lässt mir die Tränen aufsteigen, denn da geht vor meinem inneren Auge eine weitere Schriftrolle auf, die noch nicht geschrieben ist und ich sehe Jesus am Ufer des Sees von Galiläa, nahe bei der Stadt Kapernaum wo Er zu den Menschen sprach, die Ihm nach dieser wundersamen Brotvermehrung zu Tiberias nachliefen und immer mehr Wunder verlangten. Sie begriffen noch nicht, was Jesus ihnen mit der Speisung der Vielen zeigen wollte. Sprach Er nicht: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern.“ (4)?
Und Er erklärte sogar, dass Er das wahrhaftige Brot des Lebens sei, nicht wie das Manna vom Himmel, das doch trotz Verzehr den Tod nach sich führte, sondern, dass es eine Sache des Glaubens sei, wenn man die geistige Nahrung, Jesu bzw. Gottes Worte, in sich aufnimmt und auf sie vertraut, man auch ewiges Leben haben wird. Zusammen mit Ihm selbst in der Herrlichkeit Gottes, einem Ort wo Hunger und Durst, die uns auf der Welt plagen mögen, keinerlei Rolle mehr spielen werden. In Gottes Gegenwart werden wir alles zur Genüge und im Überfluss haben dürfen. Hallelujal Ich weiß nicht, ob Ihr meinen Gedanken folgen konntet, ich will einfach nur sagen, dass wir oft Dingen nachrennen, die doch nur vergänglich sind und wir unsere Herzen an Situationen, Gegenstände und Erlebnisse hängen, die nur den Moment erfreuen können. Diese Freude ist doch meist nach kurzer Zeit vergangen, verpufft wie ein Wassertropfen in der Sonne. Nur die Freude mit und an Gott ist von Dauer, denn sie ist ewig.
Wie ich nun hier am Eingang des Zeltes sitze, das Thomas und ich zusammen bewohnen und mir die kühlerwerdende Abendbrise um das Gewand wehen lasse, genieße ich ein Glas von diesem aromatischen Gewürztees vom Markt. Ich schau in Richtung Sonnenuntergang, staune wie die feurig rote Sonnenscheibe im Meer versinkt. Wenn wir abends am Ufer des Meeres im Westen Israels saßen sahen wir solche Sonnenuntergänge auch und bewunderten Gottes großartige Schöpfung. Er lässt es Tag und Nacht werden, immer wieder neu, ganz nach seinem Wohlgefallen. Und wenn ich bedenke, dass wir jetzt schon Monate unterwegs sind und uns stetig nach Osten bewegt haben kommt es mir aber nicht so vor, als wäre das Geschehen des Sonnenuntergangs weiter entfernt als an den Ufern Israels. Nur die Menschen hier sind andere. Wenn ich jetzt noch bedenke, wer uns eigentlich hier an diesen Flecken der Welt gebracht hat, nämlich Jesus selber, dann rattert es wieder in meinem Kopf, wie in einem alten Mühl Turm wo Korn zu feinstem Mehl gemahlen wird. Wieder kommt mir ein Vers des Propheten Jesaja in den Sinn, welcher gleich nach dem, schon oben aufgeführten Versen, steht. Es wird dort vom Messias, also Jesus, gesprochen:,,Siehe, ich habe ihn zu einem Zeugen für Völkerschaften gesetzt, zum Fürsten und Gebieter von Völkerschaften. Siehe, du wirst eine Nation herbeirufen, die du nicht kennst, und eine Nation, die dich nicht kannte, wird zu dir laufen wegen JHWH, deines Gottes und wegen des Heiligen Israels. Denn er hat dich herrlich gemacht.“ (*5).
Es lohnt sich wirklich mal den ganzen Absatz zu lesen, falls Ihr die Schriftrolle mal in die Hand bekommen solltet. Jetzt sitzen wir hier in einem Land, das wir nicht kennen und deren Sprache wir nicht im Ansatz verstehen. In meinen Augen ist es so wie der Prophet im Namen Gottes geschrieben hat. Und wenn ich mir die Götzentempel und den Hunger in den Augen der Menschen hier sehe, bin ich mir auch sicher, dass sie unserem Gott, der in Jesus Mensch wurde und denen die an ihn glauben ewiges Leben verspricht, nicht gleichgültig sind.
Am Vormittag trafen wir auf dem Markt auch einen griechischen Händler, der zuvor auch eine Weile im Land Israel lebte. Wir waren echt froh wenigstens einen Menschen zu treffen, mit dem wir uns verständigen konnten. Wir kamen im Gespräch natürlich auf den Grund unserer Reise zu sprechen und wir erzählten Gajus, denn so heißt der Mann, von den Auftrag den wir von Jesus erhalten haben, nämlich das Evangelium, die gute Nachricht der ewigen Erlösung auch nach Hodu zu bringen. Und wisst ihr, was Gajus uns erzählte? Die Menschen hier in Hodu glauben daran, dass sie nach ihrem Tode in einer anderen Gestalt, sei es Mensch oder Tier oder Stein, wiedergeboren würden. Nun versuchen sie in diesem Erdenleben durch gute Werke, Opfer an die Götter und das mannigfaltige rezitieren von Gebetstafeln diesem Kreislauf des ewigen Wiedergeborenwerdens zu entkommen. Wenn ihr sogenanntes Karma gut genug sei könnten sie sogar das ewige Nichts erreichen, was noch über den Bereichen der Götter liegt. Soweit ich das verstanden habe ist das aber wohl sowieso nur für die bessergestellten der Gesellschaft möglich. Verschiedene andere Gesellschaftsschichten ist es wohl gar nicht möglich die Gunst der Götter zu erlangen. Wie auch immer dem sei, ich finde es so traurig, dass die Menschen hier den lebendigen und wahrhaftigen Gott noch nicht kennen. Aber ich sehe es so, dass Jesus dem Mann Mehuman aus dieser Nation begegnet ist und Er uns nun in dieses Land gesendet hat um Mehuman zu helfen das Evangelium zu verbreiten, denn es scheint doch so als mache Gott keinen Unterschied mehr zwischen seinem Volk Israel und den Heidenvölkern der Nationen. Er möchte wohl, dass viele Menschen durch das Opfer seines Sohnes Jesus errettet werden. Irgendwie verständlich, da sich Gott doch jeden einzelnen Menschen erdacht und ihn geschaffen hat, dass er seine Schöpfung erhalten möchte. Eines nur macht mir Sorgen: Gajus, der Händler erzählte davon, dass wohl ganz im Süden des riesigen Landes Hodu eine Region sei um die Stadt Mandarajya, (was soviel wie „Stadt der Einfältigen“ heißt ), wo nach der Babylonischen Gefangenschaft ein kleiner Teil des Stammes Manasse hingezogen sei, statt in das Land Israel zurückzukehren. Gajus meint, dass Mehuman vielleicht dort zu finden sei, und dass die Reise dorthin aber durchaus beschwerlich und zeitfordernd sein dürfte. Betet, meine Freunde, die Ihr diese Zeilen hört und lest, dass es uns vor der bevorstehenden Wiederkunft Jesu gelingen möge an unser Ziel zu kommen um unseren Auftrag dort und auf der Reise dorthin zu vollenden.
Eine gute Nachricht kann ich Euch aber schon heute übermitteln, direkt hier aus Mumba-Aai, denn als wir Gajus die errettende Botschaft von Jesu Blut zur Tilgung der Sünden erzählten, nahm er das Wort sogleich bereitwillig an und wir konnten ihn auch unverzüglich taufen im Namen Jesus Christus, des himmlischen Vaters und des Heiligen Geistes! Er hat sich sogar bereit erklärt sich unserer Reisegruppe anzuschließen, was uns sicherlich zu einem großen Segen werden wird auf dem Weg, denn Gajus spricht sogar ein wenig dieser komplizierten Sprache, die wohl Sanskrit heißt und die man hier zu sprechen pflegt. Diese Bekehrung und dieser Mann sind ganz klar ein Geschenk unseres gnädigen Gottes!
Wenn wir nicht den klaren Auftrag hätten Mehuman zu suchen, würden wir sicher ein wenig verweilen um selber der Sprache etwas mächtig zu werden und den verlorenen Seelen auch hier von dem größten Sonderangebot aller Zeiten zu erzählen; nämlich von dem Sonderangebot, das uns Gott durch das Opfer seines geliebten Sohnes gemacht hat. Aus reiner Gnade dürfen wir errettet werden, wir können und brauchen nichts hinzutun, wir brauchen nichts zu zahlen, denn Er hat alles gegeben und bezahlt am Kreuz von Golgatha! Welch ein Angebot, das wir nur annehmen müssen, wie ein Geschenk zum Purimfest! Ich werde über dieses Thema auf unserer Reise sicher noch lange Zeit nachdenken und vielleicht haben die Zeilen die ich Euch heute geschrieben habe auch ein wenig dazu bewegt jetzt kurz innezuhalten und über dieses einmalige Sonderangebot Gottes nachzudenken und zu diskutieren!
Wenn es die Zeit zulässt und ich Wegeboten für meine Zeilen finden sollte werde ich Euch mehr von unseren Reisen aus dem fernen Land Hodu berichten. Betet für uns!
Herzliche Grüße und Gott befohlen,
Euer Harif!

(1: Jesaja 55, 1+2)
(2: Johannes 4, 13+14)
(3: Leviticus 1,8; 3,3; 4,31; 7,3 →7,22-25) (
4: Johannes 4, 35)
(*5: Jesaja 55, 4+5)

Kein Platz im Haus für mich!

Kein Platz im Haus für mich!

Oder: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Kein Platz im Haus für mich!
Oder: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Den ganzen Tag lief ich schon draußen in der Stadt herum.
Es ist nicht leicht für einen Zwölfjährigen wie mich, der beschlossen hat ohne seine Eltern und auf der Straße zu leben. Schon gar nicht bei Schneegestöber.

Und schon ganz und gar nicht an Weihnachten.
Überall glitzert es, überall leuchtet es, überall duftet es. Der beste Platz an solch einem Tag ist der Weihnachtsmarkt rund um die Stadtkirche: Die Verkäufer lassen an Heilig Abend schon mal einen Kakao oder ein Bockwürstchen springen wenn man den richtigen, leidenden Blick aufsetzt.

Früher als ich ein noch kleineres Kind war sind wir an Weihnachten öfter in die Kirche gegangen, besonders an Heilig Abend. Das war immer toll.
Aber seit zwei oder drei Jahren sind wir nicht mehr gegangen.
Mein Vater sagt er habe keine Lust auf Kirche, es sei ja sowieso an Weihnachten schon immer alles so stressig. Da brauche er sich den Stress nicht auch noch zu geben, für nichts und wieder nichts, wie er sagt.
Naja, mir egal, ich geh sowieso nicht mehr nach Hause, die vermissen mich da glaube ich eh gar nicht…
Glaubt es mal, was mir vorhin passiert ist, krass: Ich wollte in die Stadtkirche gehen um mich ein wenig aufzuwärmen. Außerdem fand ich es früher immer so schön dort, mit dem Tannenbaum und den ganzen Kerzen, den schönen, fröhlichen Liedern und dem Krippenspiel und so.
Da steht doch der Pfarrer vor der Tür, schaut an mir herunter, und wieder hoch und noch mal runter und schiebt mich weg von der Eingangstür…
„Für so einen schmutzigen Rotzbengel wie dich haben wir heute hier keinen Platz.“,
das waren seine Worte. Und dann schloss er die Tür vor meiner Nase. Frechheit!

Traurig habe ich mich auf die Treppenstufen vor der Tür gesetzt und mich gefragt ob es wohl sonst irgendwo noch einen Platz gäbe an dem ich mich jetzt aufwärmen könne.
Es war echt bitterkalt geworden und das Schneetreiben wurde auch immer schlimmer.
Ich starrte auf meine kaputten Schuhe, zog die Beine an mich heran und versuchte mich zu wärmen. Aus dem Inneren der Kirche klangen jetzt wie Hohn die ersten Töne der Weihnachts-Band:
„Ihr Kinderlein kommet…oh kommet doch all…zur Krippe ja kommet…in Bethlehems Stall…“

Früher als der Chor das gesungen hat, gefiel es mir irgendwie besser das Lied.
Zu allem Unglück ging nun auch noch das Licht über der Tür der Kirche aus…wahrscheinlich ein sich abschaltender Bewegungsmelder. So saß ich da wie ein Häufchen Elend und fragte mich zum ersten Mal an diesem Tag was ich überhaupt an diesem Ort machte, es war doch Weihnachten.
Ich kam mir ein wenig vor wie dieses eine Mädchen in dem Märchen, das mir meine Mutti früher mal vorgelesen hat…irgendwas mit Streichhölzern und so…mit dem Unterschied, dass ich keine Streichhölzer bei mir hatte um mich ein wenig zu wärmen, noch nicht mal ein Feuerzeug.

Auf einmal meinte ich am Himmel hinter den dicken Schneeflocken den Mond sehen zu können, doch dann…schien es mir eher wie die Sonne und im gleichen Moment wurde mir ganz warm und leicht innerlich zumute.
Ich war echt verwirrt, denn die Sonne geht ja doch eigentlich morgens auf.
Ich stand auf und wollte herausfinden woher dieses, immer heller und gemütlicher werdende, Licht denn wohl käme. Ich sah dann direkt über einer der Buden an der Kirchenmauer, in der am Mittag noch Glühwein verkauft worden war, etwas wie einen hellen Stern funkeln und glänzen.

Ich ging erstaunt und ganz vorsichtig etwas näher heran. Ich rieb mir die Augen…und auch die Nase. Je näher ich kam um so mehr hatte ich das Gefühl es würde hier nach Pferdemist oder so riechen, aber woher bloß?
Es war echt ein wenig gruselig muss ich gestehen, auch wenn ich schon zwölf bin und ich mich eigentlich vor nichts fürchte. Meine Neugier war aber größer als der Gruselfaktor und ich ging näher an die Bude heran bis ich erkennen konnte, dass irgendwelche Randalierer wohl die Vorderseite der Bude eingerissen hatte um Stroh und Mist hineinzuschütten…und einen Esel und ein Schaf hineinzustellen?
Nein, das konnte nicht sein. Irgendwie erinnerte mich die Bude auf einmal an die kleine Krippe, die ich früher vorne am Altar der Stadtkirche gesehen hatte und immer so toll fand…nur irgendwie…zehn Mal größer!
Jetzt musste ich mir meine Augen nochmals reiben, denn ich meinte dort tatsächlich einen Mann und eine Frau an einer Krippe knien zu sehen. Und das Licht von dem was mir wie ein Stern erschien, fiel genau in diese Krippe hinein und wurde immer heller und heller!

Abschätzend stand ich nun da, und dann tat ich das, was wohl jeder vernünftige Junge in solch einer Situation getan hätte, die ihn völlig überforderte: Ich räusperte mich, nahm allen Mut zusammen und fragte: „Hallo? Ist da jemand?“

Nun wurde es wirklich merkwürdig, denn ich hatte das Gefühl, dass mich etwas wie eine warme Hand von hinten näher an die Krippe schieben würde. Ich spürte eine Stimme um mich herum, die zu mir sprach und es war die herrlichste und herzlichste Stimme, die ich je gehört hatte. Sie sagte zu mir:
„Schalom, mein geliebter Junge! Ist für dich auch kein Platz mehr in der Kirche?“

Entgegen deiner Vermutung wurde ich nicht panisch, ich hatte auch keine Angst mehr und verwirrt war ich irgendwie schon noch aber irgendwie auch nicht mehr. Ich spürte so viel Frieden und Freude in mir, wie ich es noch nie in meinem Leben erlebt hatte.
Meine sonst etwas vorlaute Art hatte ich aber noch nicht wiedergefunden und so stotterte etwas in der Art wie: „Was…äh…wie…äh wer…bist du der…äh sind Sie der, dieser…?“

Und die gleiche liebevolle Stimme sprach wieder zu mir:
„Fürchte dich nicht! Ich bin es, Jesus Christus, der Sohn des allmächtigen Gottes.
Ich kam zu euch Menschen auf diese Welt um euch von euren Sünden zu befreien.“

Trotz alles Verwirrung und Erstauntheit, trotz Ungewissheit und Fragezeichen im Gesicht bekam ich Einsicht und konnte irgendwie doch einen klaren Gedanken fassen und ich fragte:“ Jesus? Aber müsstest du denn jetzt nicht in dieser Kirche da drin sein, es ist doch Weihnachten!!!“
Die Antwort kam nun mit einiger Verzögerung und in dieser friedvollen, herrlichen Stimme lag auf einmal etwas Traurigkeit, keine Verbitterung, aber Traurigkeit:

“ Weißt du mein geliebter Junge, es ist heute wieder fast so wie vor 2000 Weltjahren. Damals kam ich in meine Welt, ich kam in mein Eigentum, aber die Welt hat mich nicht aufgenommen.
Ich kam als Licht in das Dunkel, aber die Menschen wollten lieber im Dunklen bleiben.
Heutzutage stellen die Menschen so viele Dinge neu in den Mittelpunkt ihres Lebens und den Mittelpunkt der Feiern, die sie angeben für mich zu feiern, dass ich selber einfach gar keinen Platz mehr dabei in ihren Herzen habe…“

Ich erschrak sehr über die Worte, die die Stimme Jesu zu mir sprach und blieb wortlos vor der Krippe stehen!
„Komm,“ sagte die Stimme nun zu mir, „wir wollen zusammen hineingehen und ich will dir gerne erklären was ich dir eben sagte.“
Auf einmal fühlte ich wieder die Hand auf meiner linken Schulter ruhen, die mich vorhin schon zu der Krippe geschoben hatte und meine innere Ruhe und der Friede in mir wurde noch größer als vorher. Ich fühlte mich so leicht, schon fast als würde ich schweben.

Mit einem Mal stand ich im Mittelgang der Kirche. Ich sah die Band vorne neben dem Altar spielen, dort wo sonst die Krippe aufgebaut war. Ich sah die Band spielen, aber in meinen Ohren hörte ich eher etwas wie einen leisen Engelschor. Die Leute in den Sitzreihen schauten teilweise auf den Fußboden, die, die aber gespannt nach vorne schauten wippten teilweise sehr energisch mit ihren Köpfen. Mich hingegen schien keiner zu beachten, ich bin mir nicht mal sicher ob mich die Leute überhaupt sehen konnten.

Nun sprach die Stimme, die ich ja als die herzliche Stimme des Jesus Christus identifiziert hatte, wieder zu mir: „Schau mein lieber Junge, ich will dir jetzt die Herzen der Menschen zeigen, damit du sie erkennen kannst.“

Ich fragte mich, was das wohl bedeuten könne, aber ich begriff sehr schnell als ich mich weiter umsah. Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf eine Person lenkte war es mir so als könne ich in ihr Inneres schauen, das sehen, was ihre Herzen bewegte und förmlich hören was ihre Gedanken dachten.

Da war ein Mann, der vielleicht so alt war wie mein Vater war, auf dem blieben meine Augen hängen und ich schaute in sein Herz und ich sah seine Gedanken:
„Oh man, dass ich mir das jedes Jahr aufs Neue geben muss hier mit der Kirche, hoffentlich ist dieser Zirkus bald um. Zuhause könnte ich mir jetzt schon einen Shot Whiskey gönnen, den ich mir nachher selber schenken werde…“.

Ich sah neben ihm eine Frau sitzen und sah in ihr Herz.
„Der Himmel gebe, dass Heinz sich nicht nachher wieder selber Whiskey schenkt. Ich hasse es wenn er trinkt, er wird doch wieder nur aggressiv…aber mich vorher in diesen elenden Gottesdienst schleppen, dieser Heuchler!“

Ich spürte Trauer in mir aufsteigen. Mein Blick schweifte schwermütig weiter umher und blieb an einem kleinen Jungen hängen, der seinen Kopf leicht schief hielt. Ich sah sein Herz an und es dachte:
„Naja, die Band ist ja noch ganz cool, aber ich fands irgendwie noch cooler als wir hier zu Halloween den Harry- Potter-Gottesdienst gefeiert haben. Das war wenigstens realistischer als diese Geschichte, die sie da heute bringen.“

Harry Potter? Gottesdienst? Ein komisches Gefühl kam in mir auf. War das wahr? Was hatte denn bitte Harry Potter in der Kirche zu suchen? I

n der hintersten Reihe saß ganz in die Ecke gedrängt eine alte Dame, noch älter als meine Großmutter. Sie hatte den Kopf gesenkt und die Hände gefaltet als würde sie beten, doch ich sah in ihr Herz und sah dunkle, anklagende Gedanken:
“Jesus, geboren; Friede, wo denn? Meinen Mann hast du mir im Krieg genommen und mich mit meinen Kindern alleine gelassen. Und dumm wie ich bin gehe ich noch jede Woche in die Kirche obwohl ich schon lange nicht mehr an einen liebenden Gott glaube.
Nicht mal meine Kinder kommen mit den Enkeln zu Weihnachten zu mir, keiner sieht mich, wo ist denn diese Liebe?“
Ich sah eine Träne über ihre Wange laufen und auch in mir stiegen Tränen hoch, weil ich so viel Bitterkeit in ihren Gedanken spürte, so viel Anklage spürte…und ich selber fühlte mich machtlos.

In diesem Moment hörte ich vom Altar her ein Räuspern.
Der Pastor der Kirche war wohl auf die Kanzel gestiegen. Ich schaute nach vorne zum ihm und sah sein Herz und es durchdrang mich im gleichen Moment ein kalter Schauer!
Das Herz sprach: „Jetzt aber schnell! Gut, dass ich die Predigt auf zehn Minuten zusammenstreichen konnte, ist ja sowieso jedes Jahr das Gleiche und die Leute wollen zu ihren Braten und ich muss ja auch noch zwei weitere Gottesdienste heute halten.

Hätte ich vor meinem Studium gewusst, dass Weihnachten so stressig wird…naja und dabei ist es ja wissenschaftlich nicht mal bewiesen, dass das alles geschehen ist was in der Bibel steht, schließlich ist es nur ein Buch das von Menschen geschrieben wurde und Menschen machen Fehler. Es ist schon absurd von einer Jungfrauengeburt zu erzählen wo doch das Wort für Jungfrau auch junge Frau‹ übersetzt werden kann. Aber Augen zu und durch, alles für das gute Gefühl in der kalten Jahreszeit, gelobt sei Gott.“

War das wirklich, das was der Pastor in seinem Herzen trug?
Ich meine, ich bin erst zwölf Jahre alt, aber ich hatte kapiert, dass Jesus Christus wahr ist, dass er von der Jungfrau Maria geboren wurde…schließlich hatte er es mir ja eben noch bestätigt.

Nach diesem Erlebnis schloss ich meine Augen, ich wollte keine weiteren Herzen mehr sehen und erfahren was diese Herzen denken. Mir liefen die Tränen die Wange herunter.

„Es ist gut mein geliebter Junge, dass du siehst was die Herzen denken.“
Ich hörte bei geschlossenen Augen wieder die Stimme, diese herzliche warme Stimme, ich hörte noch immer die Trauer darin, aber es war eine warmherzige Trauer, sowas wie eine verstehende Trauer.

„Die Liebe unter den Menschen erkaltet, aber vor allem wenden sie sich immer weiter ab von mir, ihrem sie liebenden Gott. Das macht mich so unendlich traurig, weil ich alle Menschen gleichermaßen liebe und immer lieben werde.
Die Menschen wollen aber leider nicht mehr viel von mir wissen, sie bauen auf ihre eigenen Fähigkeiten, glauben nicht mehr daran, dass es einen Schöpfergott gibt, vertrauen nur noch der Wissenschaft.
Mein Junge, ich wusste schon vor Grundlegung der Erde, dass dieses passieren würde und glaube mir, was du gesehen hast ist nichts im Gegensatz zu dem was ich jeden Tag in den Herzen der Menschen sehe.“

Wieder umfing mich eine wohlige Wärme während die Stimme sprach und es fühlte sich um mich herum ganz hell an, obwohl ich die Augen geschlossen hatte konnte ich das merken. Ich öffnete leicht meine Augen und fand mich im völligen Dunkel wieder; nur ein warmes helles Licht war wie auf ein Spotlight auf mich gerichtet. Es fühlte sich so an als sei ich noch in der Kirche, ich konnte die Leute auf den Sitzbänken nicht mehr sehen.

Da tauchte vor mir plötzlich und wie aus dem Nichts ein Spiegel auf und ich sah mein eigenes Spiegelbild, allerdings in sauberer Kleidung, mit nagelneuen Schuhen an den Füßen und frisch frisiert.

„Nun aber zu dir mein geliebtes Kind,“ hörte ich Jesu Stimme, immer noch gleichermaßen warmherzig wie zuvor, zu mir sagen. Ich ahnte was jetzt kommen würde.
„Nun schau in dein eigenes Herz und sag mir was du siehst!“

Ich schaute widerwillig zum Spiegel hin, ich hatte das Gefühl mich gar nicht wehren zu können…ich musste hinschauen.
Und ich sah mein Herz! Mir kam kein Wort über die Lippen.

„Nein mein geliebtes Kind, du musst mir nicht sagen was du siehst, ich weiß es ja alles schon, aber ich will dir sagen was du siehst.“
Ich hatte das Gefühl als würden mich durchdringende Augen anschauen, so durchdringend wie die meines Vaters wenn er mir Vorwürfe machte wegen den schlechten Noten oder dem kaputten Handy, nur dass die Augen die mich jetzt durchdrangen sich liebevoll und barmherzig anfühlten.

„Mein geliebtes Kind, weißt du warum dein Vater keine Lust mehr hat mit dir in die Kirche zu gehen am Heiligen Abend?
Er ist kaputt von dem vorweihnachtlichen Stress…den du ihm machst!
Hast du mal einen Blick auf deinen Wunschzettel geworfen?
Ich lag damals in einer Futterkrippe und du möchtest an meinem Geburtstag am liebsten die ganze Welt geschenkt bekommen.
Dein Vater arbeitet hart und versucht dir jeden Wunsch zu erfüllen, nur leider ist er nach der Arbeit und seinen Einkaufstouren für dich, und nebenbei gesagt auch für deine Mutter, so geschafft, dass er sich nur noch ausruhen möchte.

Wann hast du deinen Eltern zuletzt angeboten bei den Vorbereitungen für das Fest zu helfen?
Wann bist du das letzte Mal den Aufforderungen deiner Eltern nachgekommen wenigstens dein Zimmer aufzuräumen oder mit dem Hund Gassi zu gehen?
Schau dich an im Spiegel: Es fehlt dir an nichts, und du bist nicht bereit deinen Teil dafür zu tun, sondern haust lieber einen Tag vor Weihnachten ab aus deinem Elternhaus um…um eigentlich was genau zu machen?“

Ich verstand die Situation nicht mehr, so gar nicht…ich sah in mein Herz und war entsetzt. Ich fühlte mich in der Gegenwart Jesu Stimme wohl behütet, warmgehalten, von seiner Liebe umgeben. Und doch…ja, ich glaube er hielt mir eine Standpauke.

Ich kann dir gar nicht mehr ganz genau wiedergeben was er alles gesagt hat aber es erschütterte mich im Mark und Bein und war doch andererseits so liebevoll…
Die Standpauke hielt er mir zu Recht, das sah ich ein und in dem Augenblick kam der innige Wunsch in mir auf zu meinen Eltern zu laufen und sie um Verzeihung zu bitten für alles was ich unterlassen habe ihnen Gutes zu tun und zu helfen.

In der Sonntagschule hat die Tante Katja mal erzählt, dass in den Zehn Geboten steht:
Du sollst Vater und Mutter ehren… Das hatte ich wohl vergessen.
Ein tiefes, tiefes Schuldgefühl kam in mir hoch und ich schaute mich verzweifelt um.
Jetzt war der Spiegel nicht mehr da und im nächsten Augenblick ging auch das Licht, das mich eben noch beschien aus. Die wohlige Wärme allerdings blieb.

Ich spürte, dass mir etwas in die Hände gegeben wurde, in jede Hand ein Gegenstand und plötzlich erschienen in jeder meiner Hände, die ich nun ausgestreckt vor mich hielt ein Lichtlein, wie von einer Kerze und als ich mich wieder an den Lichtschein gewöhnt hatte sah ich, dass es tatsächlich Kerzen waren in meinen Händen, jeweils ein, ganz wundervolle duftende Kerzen.

„Mein geliebtes Kind, es ist gut, dass du wieder nach Hause möchtest.
Es ist gut, dass du in deinem Herzen die Verfehlungen gesehen hast und sie bereust.
Es ist aber auch sehr gut, dass du dich an Weihnachten an die Krippe in deiner Stadtkirche erinnert hast, die als Symbol für meine Menschwerdung dient.
Es ist gut und wunderschön, dass wir beiden uns endlich mal persönlich begegnet sind.“

Die warme und zart durchdringende Stimme Jesu hatte jetzt etwas richtig Feierliches!
„Ich bin dafür, dass du jetzt wieder nach Hause gehst, zu deinen Eltern und es besser machst als du es vorher gemacht hast. Möchtest du mir das heute versprechen, du, mein von Herzen und ewiglich geliebtes Kind?“

Oh nichts lieber als das wollte ich dem Herrn Jesus versprechen.
Diese Begegnung hatte mir gezeigt wie bedürftig ich doch eigentlich war und wie wenig erwachsen ich bin mit meinen zwölf Jahren.
Und noch bevor ich Jesus ein freudiges >Ja< entgegenschmettern konnte merkte ich etwas wie einen Kuss auf meiner Stirn und hörte jetzt nur noch wie ein leises Säuseln diese wunderbare Stimme:

„Mach es gut mein kleiner Strolch. Ich liebe dich und werde dich niemals verlassen, und auch wenn du mich nicht mehr laut mit dir reden hören wirst darfst du wissen, ich möchte immer bei dir sein, ich bin immer bei dir, wenn du mich lässt.“

In diesem Moment zog etwas ganz massiv an mir und ich wurde von dem Ort wo ich war weggezogen, noch immer den Geruch der brennenden Kerzen in meiner Hand in der Nase. Als ich aufwachte lag ich auf meinem Bett, in nagelneuer Kleidung, frisch und sauber und frisiert fühlte ich mich und ich hörte das Klopfen an meiner Kinderzimmertür immer energischer werden.
„Aaron,“ hörte ich meine Mutter rufen, „bist du schon wieder eingeschlafen?
Wir wollten doch gleich los in die Kirche zum Heilig Abend-Gottesdienst.
Du weißt wieviel Mühe ich hatte Papa zu überreden, dass wir dieses Jahr mal wieder hingehen.“

Ich sprang auf, noch etwas orientierungslos…war es alles nur ein Traum gewesen? Komischerweise hatte ich immer noch den Geruch der brennenden Kerzen in der Nase und als ich mich schlaftrunken umschaute sah ich auf meinem Schreibtisch zwei nagelneue Kerzen stehen.
Eine mit der Aufschrift: › Frohe Weihnachten meine geliebte Mutter und die andere mit der Aufschrift ›Für meinen geliebten Weihnachts-Grinch-Dad‹.

Verdutzt schaute ich mich nochmals in meinem Zimmer um, aber alles andere schien so wie ich es kannte. Da spürte ich ein ganz sanftes Schieben an meinem Rücken, das mich zu meiner Zimmertür hinschob und ein wohliges Gefühl durchzog mich von oben bis unten.
Ich fing an zu lachen und rief: „Ich komme schon Mama, ich komme schon, und ich muss euch etwas ganz Tolles erzählen, das werdet ihr mir nie im Leben glauben was ich eben erlebt habe…“

Nachdem ich meiner verdutzen Mutter die Weihnachtskerzen in die Hand gedrückt hatte und meinem noch verdutzteren Vater einen Kuss auf die Wange gedrückt hatte, den Müll runtergebracht und mit dem Hund eine besondere Runde gedreht hatte gingen wir doch tatsächlich das erste Mal seit Jahren wieder an Heilig Abend mit der ganzen Familie in die Kirche.

Und glaube mir, an dem Abend habe ich mir die Leute ganz besonders angeschaut und allen, die ich getroffen habe, ein lautstarkes und überaus fröhliches „Gesegnete Weihnachten. „gewünscht.

Und das Gleiche wünsche ich dir auch!

Was auch war, was auch ist, Jesus Christus ist für uns in diese, seine, Welt gekommen.
Er ist Mensch geworden um uns mit Gott versöhnen zu können!

Gepriesen sei der ewige Gott, der uns an seiner Liebe Tag für Tag teilhaben lassen will, nicht nur an Weihnachten….