Ein Freund der Nahe ist – „A friend who’s near“
Ein Freund der Nahe ist
1.
Manchmal saß ich hier und fühlte mich
irgendwie gut
Aber manchmal fehlte auch etwas und ich
fühlte mein Herz weinen.
Dann wünschte ich, dass ich ein wenig
offener für andere wäre
Dann konnte ich sehen, dass ich auch einen Freund zum Reden brauchte.
Refrain
Ich frage noch immer Ich singe noch immer
Ich träume noch immer
Ich hoffe noch immer
Ich frage noch immer – nach jemandes Ohr Ich singe immer noch – Lieder, die du
hören kannst
Ich träume noch immer nach jemandem
ohne Angst
Ich hoffe noch immer – nach einem Freund, der nahe ist.
2.
Manchmal betete ich zu irgendwem, dass ich doch bitte hätte
Die innere Power aufrecht zustehen und jede Situation bewältigen zu können. Dann bemerkte ich, dass ich jemand
Gutes“ an meiner Seite brauchte,
Dem ich blind vertrauen könnte und der keine Angst vor mir hätte.
3.
Heute weiß ich, was auch immer sein wird, da ist ein Gott, der ist ein Freund:
Der sich nicht kümmert wer oder was ich bin, der immer an meiner Seite steht.
Der immer meine Lieder hören will, der immer auf meine Bedürfnisse schaut.
Der keine Angst hat mir nahe zu sein:
Danke Herr Jesus, dass DU da bist!
A friend who’s near
1.
Sometimes I was sitting here, feeling
somehow good
But sometimes also something was
missing, and I felt my heart cry.
Than I wished that I would be a little bit more open minded
Than I could see that I also needed a friend to talk!
Refrain
I’m still asking
I’m still singing I’m still dreaming
I’m still hoping:
I’m still asking – asking for someone’s ear I’m still singing – singing songs that you can hear
I’m still dreaming – dreaming for someone without fear
I’m still hoping – hoping for a true friend near!
2.
Sometimes I was praying to some one that
I could have
The eternal power to stand upright and stand every situation!
Than I noticed that I need some one good by my side
Whom I could blindly trust and who would not fear me!
3.
Today I know, whatever will be, there is a God who is a friend:
Who does not care who or what I am, who always want to stay by my side.
Who always wants to hear my songs, who’s always listening to my needs
Who has no fear to be close to me,
thank you Lord Jesus that YOU are here!
„Ihr werdet mich suchen und finden. Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, dann werde ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und ich werde eure Gefangenschaft wenden.“ (Jeremia 29, 13f.)
Dieses Lied entstand wohl etwa 2019 in der JVA in Celle und ist eines meiner frühen Lieder deren Text ich fast nicht verändert habe.
Es entstand in dem kleinsten Haftraum den ich kennengelernt habe, eingeengt, neu auf einer neuen Station, aber mit einem wunderbaren Weitblick nachdem ich zwei Jahre fast gar keine Aussicht nach „draußen“ genießen konnte.
Diese neue Sicht nach draußen entfachte mir wieder mein „angeborenes“ Fernweh. Auf der einen Seite zufrieden und glücklich über diesen erweiterten Ausblick, auf der anderen Seite zerrissen von dem Wunsch vor den Mauern spazieren gehen zu können. Und ganz tief drin in mir der Wunsch nach einem Menschen, dem ich mich anvertrauen könnte ohne befürchten zu müssen, dass er mich verurteilen könnte, denn verurteilt war ich schon, zu lebenslanger Haft und von mir selber für viele meiner Fehltritte in meinem Leben.
Gibt es Menschen, denen man sich ganz und gar anvertrauen kann, die einen nicht enttäuschen werden?
Die Bibel spricht davon, dass man sein Vertrauen nicht auf Menschen setzen soll, aber dennoch sind wir doch kommunikative Kreaturen, die sich mit ihrer Umwelt austauschen wollen.
Der Refrain spricht von ein wenig Mut in mir, denn ich wollte ja kommunizieren und ich hatte für mich ein Kommunikationsmittel neu gefunden: Gesang und Ukulelenspiel, wie wunderbar.
Ich spiele das Lied nach den Jahren immer noch gerne, denn ja, ich will noch fragen nach Ohren, die mir zuhören, ich will weiter mein Inneres nach außen kehren, durch meinen Gesang, ich will nicht aufhören zu träumen, dass es einen Menschen gibt, der keine Angst vor mir hat, weil mir bewusst ist, dass ich ein dickes Paket mit mir herumtrage, ein Paket der Vergangenheit; und daraus resultiert die Formulierung der Hoffnung, denn die Hoffnung stirbt ja sprichwörtlich zuletzt (wobei das biblisch nicht haltbar ist): Es besteht weiter die Hoffnung in mir einen Freund zu finden, der mir nahe sein will. Was ich damals noch nicht so genau wusste, ist die Tatsache, dass dieser Freund, der mir nah sein will und IST, Tag für Tag die ganze Zeit schon da war und auf mich wartete.
Ja, im Gefängnis beginnt wohl jeder zu beten, auch wenn er es vielleicht nicht zugeben will. Wenn man sich die Realität nicht mit vernichtenden chemischen Drogen wegbläst kommt man an den Punkt an dem man sich mit sich selber befassen muss, und das ist gut so! Was wir im Gebet in Richtung des Himmels bringen ist sicher sehr individuell. Mein Problem ist oft, dass ich mich nicht gut öffnen kann und mich oft zurückziehe, wenn es mir zu viel wird. Früher habe ich dieses,,Manko“ mit Alkohol weggeschwemmt, aber ich hatte mir am Anfang meiner Gefängnislaufbahn fest vorgenommen nie wieder Alkohol zu trinken, und hier im Gefängnis klappt das auch echt gut, wenn man nicht total abgebrüht ist und sich weiter auf illegalen Wegen bewegen möchte. So war mein Gebet, dass ich Kraft finden wollte die täglichen schwierigen, fordernden Situationen aus eigener Kraft heraus meistern zu können; da kannte ich allerdings unseren wunderbaren Gott noch nicht allzu gut, der ja bekanntlich in unseren Schwächen seine Kraft zeigen möchte (2. Korintherbrief 12, 9). Aber in mir kam wieder das Bewusstsein der Notwendigkeit hoch, dass der Mensch jemanden braucht, dem er sich anvertrauen kann, jemanden, der immer bei ihm sein will, diesen besten Freund, dem man, dem ich absolut blind vertrauen könnte ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass er mir aus meiner Lebensgeschichte den sprichwörtlichen Strick drehen will.
Heute weiß ich…das habe ich in Strophe drei damals in 2019 geschrieben und irgendwann im Laufe meiner Entwicklung in der Beziehung mit und zu Gott in Jesus Christus verändert von einer „Macht“, die immer da ist, zu dem erlebbaren Gott, der morgens schon wartet wenn ich aufwache, damit er mir seine Liebe zeigen kann und mich liebend begleiten kann durch den Tag. Ich habe gelernt, dass Menschen nie, niemals so aufrichtig und verzeihend sein können wie unser himmlischer Vater, nie so nah sein können wie mein Erretter und bester Freund Jesus Christus, mit dem ich auch mal hadere, der aber nicht mit mir hadert, sondern mich immer auf seinem rechten Weg führen will. Er will nicht nur jeden Tag an meiner Seite sein, Er ist jeden Tag an meiner Seite ob ich es merke oder nicht, ob ich meinen Fokus darauflege oder nicht. Er ist täglich begierig meine neuen Lieder zu hören, er ist begierig mit mir neue Lieder zu schreiben, mit mir Ukulele zu spielen…
Ja er hört auch tagtäglich zu was ich vor den himmlischen Thron bringe an ,,Bedürfnissen“ und Ärgernissen, ja Er hört immer zu und handelt nach seiner Weisheit im Geben und Nichtgeben. In der letzten Zeile schreibe ich, dass ER auch keine Angst hat bei mir zu sein; die Sache ist aber eher, dass Er einlädt dazu, dass wir, dass ich keine Angst habe alles was uns und mich bedrückt, bedrängt, bewegt, im positiven und negativen, zu Ihm zu bringen damit Er sich kümmern kann, damit Er uns die Last abnehmen kann und uns ein friedvolles, ruhig Herz geben kann, dass in Ihm ruht.
Danke Herr Jesus Christus, mein Freund in meiner Nähe, danke, dass Du nicht nur ein Hirngespinst bist sondern die Wahrheit
und das Leben, das Licht in meinem Leben, danke, dass Du der Lebendige Gott bist, der sich um seine Menschen kümmert!
„Denn ich weiß genau, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht
des Leidens, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben.“ (Jeremia 29, 11)