Kein Platz im Haus für mich!

Kein Platz im Haus für mich!

Oder: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Kein Platz im Haus für mich!
Oder: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Den ganzen Tag lief ich schon draußen in der Stadt herum.
Es ist nicht leicht für einen Zwölfjährigen wie mich, der beschlossen hat ohne seine Eltern und auf der Straße zu leben. Schon gar nicht bei Schneegestöber.

Und schon ganz und gar nicht an Weihnachten.
Überall glitzert es, überall leuchtet es, überall duftet es. Der beste Platz an solch einem Tag ist der Weihnachtsmarkt rund um die Stadtkirche: Die Verkäufer lassen an Heilig Abend schon mal einen Kakao oder ein Bockwürstchen springen wenn man den richtigen, leidenden Blick aufsetzt.

Früher als ich ein noch kleineres Kind war sind wir an Weihnachten öfter in die Kirche gegangen, besonders an Heilig Abend. Das war immer toll.
Aber seit zwei oder drei Jahren sind wir nicht mehr gegangen.
Mein Vater sagt er habe keine Lust auf Kirche, es sei ja sowieso an Weihnachten schon immer alles so stressig. Da brauche er sich den Stress nicht auch noch zu geben, für nichts und wieder nichts, wie er sagt.
Naja, mir egal, ich geh sowieso nicht mehr nach Hause, die vermissen mich da glaube ich eh gar nicht…
Glaubt es mal, was mir vorhin passiert ist, krass: Ich wollte in die Stadtkirche gehen um mich ein wenig aufzuwärmen. Außerdem fand ich es früher immer so schön dort, mit dem Tannenbaum und den ganzen Kerzen, den schönen, fröhlichen Liedern und dem Krippenspiel und so.
Da steht doch der Pfarrer vor der Tür, schaut an mir herunter, und wieder hoch und noch mal runter und schiebt mich weg von der Eingangstür…
„Für so einen schmutzigen Rotzbengel wie dich haben wir heute hier keinen Platz.“,
das waren seine Worte. Und dann schloss er die Tür vor meiner Nase. Frechheit!

Traurig habe ich mich auf die Treppenstufen vor der Tür gesetzt und mich gefragt ob es wohl sonst irgendwo noch einen Platz gäbe an dem ich mich jetzt aufwärmen könne.
Es war echt bitterkalt geworden und das Schneetreiben wurde auch immer schlimmer.
Ich starrte auf meine kaputten Schuhe, zog die Beine an mich heran und versuchte mich zu wärmen. Aus dem Inneren der Kirche klangen jetzt wie Hohn die ersten Töne der Weihnachts-Band:
„Ihr Kinderlein kommet…oh kommet doch all…zur Krippe ja kommet…in Bethlehems Stall…“

Früher als der Chor das gesungen hat, gefiel es mir irgendwie besser das Lied.
Zu allem Unglück ging nun auch noch das Licht über der Tür der Kirche aus…wahrscheinlich ein sich abschaltender Bewegungsmelder. So saß ich da wie ein Häufchen Elend und fragte mich zum ersten Mal an diesem Tag was ich überhaupt an diesem Ort machte, es war doch Weihnachten.
Ich kam mir ein wenig vor wie dieses eine Mädchen in dem Märchen, das mir meine Mutti früher mal vorgelesen hat…irgendwas mit Streichhölzern und so…mit dem Unterschied, dass ich keine Streichhölzer bei mir hatte um mich ein wenig zu wärmen, noch nicht mal ein Feuerzeug.

Auf einmal meinte ich am Himmel hinter den dicken Schneeflocken den Mond sehen zu können, doch dann…schien es mir eher wie die Sonne und im gleichen Moment wurde mir ganz warm und leicht innerlich zumute.
Ich war echt verwirrt, denn die Sonne geht ja doch eigentlich morgens auf.
Ich stand auf und wollte herausfinden woher dieses, immer heller und gemütlicher werdende, Licht denn wohl käme. Ich sah dann direkt über einer der Buden an der Kirchenmauer, in der am Mittag noch Glühwein verkauft worden war, etwas wie einen hellen Stern funkeln und glänzen.

Ich ging erstaunt und ganz vorsichtig etwas näher heran. Ich rieb mir die Augen…und auch die Nase. Je näher ich kam um so mehr hatte ich das Gefühl es würde hier nach Pferdemist oder so riechen, aber woher bloß?
Es war echt ein wenig gruselig muss ich gestehen, auch wenn ich schon zwölf bin und ich mich eigentlich vor nichts fürchte. Meine Neugier war aber größer als der Gruselfaktor und ich ging näher an die Bude heran bis ich erkennen konnte, dass irgendwelche Randalierer wohl die Vorderseite der Bude eingerissen hatte um Stroh und Mist hineinzuschütten…und einen Esel und ein Schaf hineinzustellen?
Nein, das konnte nicht sein. Irgendwie erinnerte mich die Bude auf einmal an die kleine Krippe, die ich früher vorne am Altar der Stadtkirche gesehen hatte und immer so toll fand…nur irgendwie…zehn Mal größer!
Jetzt musste ich mir meine Augen nochmals reiben, denn ich meinte dort tatsächlich einen Mann und eine Frau an einer Krippe knien zu sehen. Und das Licht von dem was mir wie ein Stern erschien, fiel genau in diese Krippe hinein und wurde immer heller und heller!

Abschätzend stand ich nun da, und dann tat ich das, was wohl jeder vernünftige Junge in solch einer Situation getan hätte, die ihn völlig überforderte: Ich räusperte mich, nahm allen Mut zusammen und fragte: „Hallo? Ist da jemand?“

Nun wurde es wirklich merkwürdig, denn ich hatte das Gefühl, dass mich etwas wie eine warme Hand von hinten näher an die Krippe schieben würde. Ich spürte eine Stimme um mich herum, die zu mir sprach und es war die herrlichste und herzlichste Stimme, die ich je gehört hatte. Sie sagte zu mir:
„Schalom, mein geliebter Junge! Ist für dich auch kein Platz mehr in der Kirche?“

Entgegen deiner Vermutung wurde ich nicht panisch, ich hatte auch keine Angst mehr und verwirrt war ich irgendwie schon noch aber irgendwie auch nicht mehr. Ich spürte so viel Frieden und Freude in mir, wie ich es noch nie in meinem Leben erlebt hatte.
Meine sonst etwas vorlaute Art hatte ich aber noch nicht wiedergefunden und so stotterte etwas in der Art wie: „Was…äh…wie…äh wer…bist du der…äh sind Sie der, dieser…?“

Und die gleiche liebevolle Stimme sprach wieder zu mir:
„Fürchte dich nicht! Ich bin es, Jesus Christus, der Sohn des allmächtigen Gottes.
Ich kam zu euch Menschen auf diese Welt um euch von euren Sünden zu befreien.“

Trotz alles Verwirrung und Erstauntheit, trotz Ungewissheit und Fragezeichen im Gesicht bekam ich Einsicht und konnte irgendwie doch einen klaren Gedanken fassen und ich fragte:“ Jesus? Aber müsstest du denn jetzt nicht in dieser Kirche da drin sein, es ist doch Weihnachten!!!“
Die Antwort kam nun mit einiger Verzögerung und in dieser friedvollen, herrlichen Stimme lag auf einmal etwas Traurigkeit, keine Verbitterung, aber Traurigkeit:

“ Weißt du mein geliebter Junge, es ist heute wieder fast so wie vor 2000 Weltjahren. Damals kam ich in meine Welt, ich kam in mein Eigentum, aber die Welt hat mich nicht aufgenommen.
Ich kam als Licht in das Dunkel, aber die Menschen wollten lieber im Dunklen bleiben.
Heutzutage stellen die Menschen so viele Dinge neu in den Mittelpunkt ihres Lebens und den Mittelpunkt der Feiern, die sie angeben für mich zu feiern, dass ich selber einfach gar keinen Platz mehr dabei in ihren Herzen habe…“

Ich erschrak sehr über die Worte, die die Stimme Jesu zu mir sprach und blieb wortlos vor der Krippe stehen!
„Komm,“ sagte die Stimme nun zu mir, „wir wollen zusammen hineingehen und ich will dir gerne erklären was ich dir eben sagte.“
Auf einmal fühlte ich wieder die Hand auf meiner linken Schulter ruhen, die mich vorhin schon zu der Krippe geschoben hatte und meine innere Ruhe und der Friede in mir wurde noch größer als vorher. Ich fühlte mich so leicht, schon fast als würde ich schweben.

Mit einem Mal stand ich im Mittelgang der Kirche. Ich sah die Band vorne neben dem Altar spielen, dort wo sonst die Krippe aufgebaut war. Ich sah die Band spielen, aber in meinen Ohren hörte ich eher etwas wie einen leisen Engelschor. Die Leute in den Sitzreihen schauten teilweise auf den Fußboden, die, die aber gespannt nach vorne schauten wippten teilweise sehr energisch mit ihren Köpfen. Mich hingegen schien keiner zu beachten, ich bin mir nicht mal sicher ob mich die Leute überhaupt sehen konnten.

Nun sprach die Stimme, die ich ja als die herzliche Stimme des Jesus Christus identifiziert hatte, wieder zu mir: „Schau mein lieber Junge, ich will dir jetzt die Herzen der Menschen zeigen, damit du sie erkennen kannst.“

Ich fragte mich, was das wohl bedeuten könne, aber ich begriff sehr schnell als ich mich weiter umsah. Wenn ich meine Aufmerksamkeit auf eine Person lenkte war es mir so als könne ich in ihr Inneres schauen, das sehen, was ihre Herzen bewegte und förmlich hören was ihre Gedanken dachten.

Da war ein Mann, der vielleicht so alt war wie mein Vater war, auf dem blieben meine Augen hängen und ich schaute in sein Herz und ich sah seine Gedanken:
„Oh man, dass ich mir das jedes Jahr aufs Neue geben muss hier mit der Kirche, hoffentlich ist dieser Zirkus bald um. Zuhause könnte ich mir jetzt schon einen Shot Whiskey gönnen, den ich mir nachher selber schenken werde…“.

Ich sah neben ihm eine Frau sitzen und sah in ihr Herz.
„Der Himmel gebe, dass Heinz sich nicht nachher wieder selber Whiskey schenkt. Ich hasse es wenn er trinkt, er wird doch wieder nur aggressiv…aber mich vorher in diesen elenden Gottesdienst schleppen, dieser Heuchler!“

Ich spürte Trauer in mir aufsteigen. Mein Blick schweifte schwermütig weiter umher und blieb an einem kleinen Jungen hängen, der seinen Kopf leicht schief hielt. Ich sah sein Herz an und es dachte:
„Naja, die Band ist ja noch ganz cool, aber ich fands irgendwie noch cooler als wir hier zu Halloween den Harry- Potter-Gottesdienst gefeiert haben. Das war wenigstens realistischer als diese Geschichte, die sie da heute bringen.“

Harry Potter? Gottesdienst? Ein komisches Gefühl kam in mir auf. War das wahr? Was hatte denn bitte Harry Potter in der Kirche zu suchen? I

n der hintersten Reihe saß ganz in die Ecke gedrängt eine alte Dame, noch älter als meine Großmutter. Sie hatte den Kopf gesenkt und die Hände gefaltet als würde sie beten, doch ich sah in ihr Herz und sah dunkle, anklagende Gedanken:
“Jesus, geboren; Friede, wo denn? Meinen Mann hast du mir im Krieg genommen und mich mit meinen Kindern alleine gelassen. Und dumm wie ich bin gehe ich noch jede Woche in die Kirche obwohl ich schon lange nicht mehr an einen liebenden Gott glaube.
Nicht mal meine Kinder kommen mit den Enkeln zu Weihnachten zu mir, keiner sieht mich, wo ist denn diese Liebe?“
Ich sah eine Träne über ihre Wange laufen und auch in mir stiegen Tränen hoch, weil ich so viel Bitterkeit in ihren Gedanken spürte, so viel Anklage spürte…und ich selber fühlte mich machtlos.

In diesem Moment hörte ich vom Altar her ein Räuspern.
Der Pastor der Kirche war wohl auf die Kanzel gestiegen. Ich schaute nach vorne zum ihm und sah sein Herz und es durchdrang mich im gleichen Moment ein kalter Schauer!
Das Herz sprach: „Jetzt aber schnell! Gut, dass ich die Predigt auf zehn Minuten zusammenstreichen konnte, ist ja sowieso jedes Jahr das Gleiche und die Leute wollen zu ihren Braten und ich muss ja auch noch zwei weitere Gottesdienste heute halten.

Hätte ich vor meinem Studium gewusst, dass Weihnachten so stressig wird…naja und dabei ist es ja wissenschaftlich nicht mal bewiesen, dass das alles geschehen ist was in der Bibel steht, schließlich ist es nur ein Buch das von Menschen geschrieben wurde und Menschen machen Fehler. Es ist schon absurd von einer Jungfrauengeburt zu erzählen wo doch das Wort für Jungfrau auch junge Frau‹ übersetzt werden kann. Aber Augen zu und durch, alles für das gute Gefühl in der kalten Jahreszeit, gelobt sei Gott.“

War das wirklich, das was der Pastor in seinem Herzen trug?
Ich meine, ich bin erst zwölf Jahre alt, aber ich hatte kapiert, dass Jesus Christus wahr ist, dass er von der Jungfrau Maria geboren wurde…schließlich hatte er es mir ja eben noch bestätigt.

Nach diesem Erlebnis schloss ich meine Augen, ich wollte keine weiteren Herzen mehr sehen und erfahren was diese Herzen denken. Mir liefen die Tränen die Wange herunter.

„Es ist gut mein geliebter Junge, dass du siehst was die Herzen denken.“
Ich hörte bei geschlossenen Augen wieder die Stimme, diese herzliche warme Stimme, ich hörte noch immer die Trauer darin, aber es war eine warmherzige Trauer, sowas wie eine verstehende Trauer.

„Die Liebe unter den Menschen erkaltet, aber vor allem wenden sie sich immer weiter ab von mir, ihrem sie liebenden Gott. Das macht mich so unendlich traurig, weil ich alle Menschen gleichermaßen liebe und immer lieben werde.
Die Menschen wollen aber leider nicht mehr viel von mir wissen, sie bauen auf ihre eigenen Fähigkeiten, glauben nicht mehr daran, dass es einen Schöpfergott gibt, vertrauen nur noch der Wissenschaft.
Mein Junge, ich wusste schon vor Grundlegung der Erde, dass dieses passieren würde und glaube mir, was du gesehen hast ist nichts im Gegensatz zu dem was ich jeden Tag in den Herzen der Menschen sehe.“

Wieder umfing mich eine wohlige Wärme während die Stimme sprach und es fühlte sich um mich herum ganz hell an, obwohl ich die Augen geschlossen hatte konnte ich das merken. Ich öffnete leicht meine Augen und fand mich im völligen Dunkel wieder; nur ein warmes helles Licht war wie auf ein Spotlight auf mich gerichtet. Es fühlte sich so an als sei ich noch in der Kirche, ich konnte die Leute auf den Sitzbänken nicht mehr sehen.

Da tauchte vor mir plötzlich und wie aus dem Nichts ein Spiegel auf und ich sah mein eigenes Spiegelbild, allerdings in sauberer Kleidung, mit nagelneuen Schuhen an den Füßen und frisch frisiert.

„Nun aber zu dir mein geliebtes Kind,“ hörte ich Jesu Stimme, immer noch gleichermaßen warmherzig wie zuvor, zu mir sagen. Ich ahnte was jetzt kommen würde.
„Nun schau in dein eigenes Herz und sag mir was du siehst!“

Ich schaute widerwillig zum Spiegel hin, ich hatte das Gefühl mich gar nicht wehren zu können…ich musste hinschauen.
Und ich sah mein Herz! Mir kam kein Wort über die Lippen.

„Nein mein geliebtes Kind, du musst mir nicht sagen was du siehst, ich weiß es ja alles schon, aber ich will dir sagen was du siehst.“
Ich hatte das Gefühl als würden mich durchdringende Augen anschauen, so durchdringend wie die meines Vaters wenn er mir Vorwürfe machte wegen den schlechten Noten oder dem kaputten Handy, nur dass die Augen die mich jetzt durchdrangen sich liebevoll und barmherzig anfühlten.

„Mein geliebtes Kind, weißt du warum dein Vater keine Lust mehr hat mit dir in die Kirche zu gehen am Heiligen Abend?
Er ist kaputt von dem vorweihnachtlichen Stress…den du ihm machst!
Hast du mal einen Blick auf deinen Wunschzettel geworfen?
Ich lag damals in einer Futterkrippe und du möchtest an meinem Geburtstag am liebsten die ganze Welt geschenkt bekommen.
Dein Vater arbeitet hart und versucht dir jeden Wunsch zu erfüllen, nur leider ist er nach der Arbeit und seinen Einkaufstouren für dich, und nebenbei gesagt auch für deine Mutter, so geschafft, dass er sich nur noch ausruhen möchte.

Wann hast du deinen Eltern zuletzt angeboten bei den Vorbereitungen für das Fest zu helfen?
Wann bist du das letzte Mal den Aufforderungen deiner Eltern nachgekommen wenigstens dein Zimmer aufzuräumen oder mit dem Hund Gassi zu gehen?
Schau dich an im Spiegel: Es fehlt dir an nichts, und du bist nicht bereit deinen Teil dafür zu tun, sondern haust lieber einen Tag vor Weihnachten ab aus deinem Elternhaus um…um eigentlich was genau zu machen?“

Ich verstand die Situation nicht mehr, so gar nicht…ich sah in mein Herz und war entsetzt. Ich fühlte mich in der Gegenwart Jesu Stimme wohl behütet, warmgehalten, von seiner Liebe umgeben. Und doch…ja, ich glaube er hielt mir eine Standpauke.

Ich kann dir gar nicht mehr ganz genau wiedergeben was er alles gesagt hat aber es erschütterte mich im Mark und Bein und war doch andererseits so liebevoll…
Die Standpauke hielt er mir zu Recht, das sah ich ein und in dem Augenblick kam der innige Wunsch in mir auf zu meinen Eltern zu laufen und sie um Verzeihung zu bitten für alles was ich unterlassen habe ihnen Gutes zu tun und zu helfen.

In der Sonntagschule hat die Tante Katja mal erzählt, dass in den Zehn Geboten steht:
Du sollst Vater und Mutter ehren… Das hatte ich wohl vergessen.
Ein tiefes, tiefes Schuldgefühl kam in mir hoch und ich schaute mich verzweifelt um.
Jetzt war der Spiegel nicht mehr da und im nächsten Augenblick ging auch das Licht, das mich eben noch beschien aus. Die wohlige Wärme allerdings blieb.

Ich spürte, dass mir etwas in die Hände gegeben wurde, in jede Hand ein Gegenstand und plötzlich erschienen in jeder meiner Hände, die ich nun ausgestreckt vor mich hielt ein Lichtlein, wie von einer Kerze und als ich mich wieder an den Lichtschein gewöhnt hatte sah ich, dass es tatsächlich Kerzen waren in meinen Händen, jeweils ein, ganz wundervolle duftende Kerzen.

„Mein geliebtes Kind, es ist gut, dass du wieder nach Hause möchtest.
Es ist gut, dass du in deinem Herzen die Verfehlungen gesehen hast und sie bereust.
Es ist aber auch sehr gut, dass du dich an Weihnachten an die Krippe in deiner Stadtkirche erinnert hast, die als Symbol für meine Menschwerdung dient.
Es ist gut und wunderschön, dass wir beiden uns endlich mal persönlich begegnet sind.“

Die warme und zart durchdringende Stimme Jesu hatte jetzt etwas richtig Feierliches!
„Ich bin dafür, dass du jetzt wieder nach Hause gehst, zu deinen Eltern und es besser machst als du es vorher gemacht hast. Möchtest du mir das heute versprechen, du, mein von Herzen und ewiglich geliebtes Kind?“

Oh nichts lieber als das wollte ich dem Herrn Jesus versprechen.
Diese Begegnung hatte mir gezeigt wie bedürftig ich doch eigentlich war und wie wenig erwachsen ich bin mit meinen zwölf Jahren.
Und noch bevor ich Jesus ein freudiges >Ja< entgegenschmettern konnte merkte ich etwas wie einen Kuss auf meiner Stirn und hörte jetzt nur noch wie ein leises Säuseln diese wunderbare Stimme:

„Mach es gut mein kleiner Strolch. Ich liebe dich und werde dich niemals verlassen, und auch wenn du mich nicht mehr laut mit dir reden hören wirst darfst du wissen, ich möchte immer bei dir sein, ich bin immer bei dir, wenn du mich lässt.“

In diesem Moment zog etwas ganz massiv an mir und ich wurde von dem Ort wo ich war weggezogen, noch immer den Geruch der brennenden Kerzen in meiner Hand in der Nase. Als ich aufwachte lag ich auf meinem Bett, in nagelneuer Kleidung, frisch und sauber und frisiert fühlte ich mich und ich hörte das Klopfen an meiner Kinderzimmertür immer energischer werden.
„Aaron,“ hörte ich meine Mutter rufen, „bist du schon wieder eingeschlafen?
Wir wollten doch gleich los in die Kirche zum Heilig Abend-Gottesdienst.
Du weißt wieviel Mühe ich hatte Papa zu überreden, dass wir dieses Jahr mal wieder hingehen.“

Ich sprang auf, noch etwas orientierungslos…war es alles nur ein Traum gewesen? Komischerweise hatte ich immer noch den Geruch der brennenden Kerzen in der Nase und als ich mich schlaftrunken umschaute sah ich auf meinem Schreibtisch zwei nagelneue Kerzen stehen.
Eine mit der Aufschrift: › Frohe Weihnachten meine geliebte Mutter und die andere mit der Aufschrift ›Für meinen geliebten Weihnachts-Grinch-Dad‹.

Verdutzt schaute ich mich nochmals in meinem Zimmer um, aber alles andere schien so wie ich es kannte. Da spürte ich ein ganz sanftes Schieben an meinem Rücken, das mich zu meiner Zimmertür hinschob und ein wohliges Gefühl durchzog mich von oben bis unten.
Ich fing an zu lachen und rief: „Ich komme schon Mama, ich komme schon, und ich muss euch etwas ganz Tolles erzählen, das werdet ihr mir nie im Leben glauben was ich eben erlebt habe…“

Nachdem ich meiner verdutzen Mutter die Weihnachtskerzen in die Hand gedrückt hatte und meinem noch verdutzteren Vater einen Kuss auf die Wange gedrückt hatte, den Müll runtergebracht und mit dem Hund eine besondere Runde gedreht hatte gingen wir doch tatsächlich das erste Mal seit Jahren wieder an Heilig Abend mit der ganzen Familie in die Kirche.

Und glaube mir, an dem Abend habe ich mir die Leute ganz besonders angeschaut und allen, die ich getroffen habe, ein lautstarkes und überaus fröhliches „Gesegnete Weihnachten. „gewünscht.

Und das Gleiche wünsche ich dir auch!

Was auch war, was auch ist, Jesus Christus ist für uns in diese, seine, Welt gekommen.
Er ist Mensch geworden um uns mit Gott versöhnen zu können!

Gepriesen sei der ewige Gott, der uns an seiner Liebe Tag für Tag teilhaben lassen will, nicht nur an Weihnachten….

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